Wie man ein berühmter Philosoph wird:

Wie wird man ein berühmter und angesehener Philosoph?
Viele PhilosophiestudentInnen träumen davon, sich irgendwann einmal unter die großen Namen einreihen zu können: Sokrates, Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin, René Descartes, Immanuel Kant, David Hume, Ludwig Wittgenstein, Hannah Arendt, Patrick Seabird,...
Hier sind ein paar Verhaltensweisen, ohne die es nicht geht:

1) Behaupte, dass alle Philosophie bisher falsch war. Und überhaupt war das alles sinnlos und falsch was die Philosophen vor dir behauptet haben.

2) Erfinde möglichst komplizierte und lange Wörter und verwende Worte aus anderen Wissenschaftszweigen (vorzugsweise aus den Naturwissenschaften) für ganz andere Dinge.

3) Schreibe mindestens ein 2000 Seiten Buch, in dem du die Welt erklärst, das jedoch niemand auf der Welt verstehen kann.

4) Erkläre das Kapitel der Philosophie damit als abgeschlossen und nicht weiter verfolgenswert.

5) Lasse dich daraufhin in sämtliche Talk-Shows und Radiointerviews einladen und sprich über aktuelle Themen von denen du eigentlich keine Ahnung hast möglichst schnell, kompliziert und provokant. Wenn jemand zwischenfragt, sage einfach: "Um Ihnen das zu erklären würde ich Tage brauchen."

6) Lege auffällige Verhaltensweisen an den Tag, wie zum Beispiel mitten auf der Straße stehen zu bleiben und für fünf Minuten angestrengt durch die Gegend zu starren, andere Leute anzuschreien, komisches Gewand zu tragen oder in der Bar immer sturzbesoffen zu sein.

Diese Regeln sind zwar kein Garant für philosophischen Erfolg, jedoch ein Muss.

Interview Jeremy Rifkin

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/916564?_skip=0

Dies ist einer der besten Artikel über Arbeit, die ich je gelesen habe!

Wirtschaftskrisen

Vor kurzem informierte ich mich über vergangene Krisen, deren Ursachen und Auswirkungen, und kam dabei auf interessante Parallelen zur derzeitigen Situation. Ich beziehe mich hier auf den Gründerkrach, die große Tulpenmanie und die Weltwirtschaftskrise von 1929:

1)Überproduktion: Man sieht auch heute, dass einfach zu viel produziert wird. Der Umsatz der Autobranche stagniert. Die Firmen reagieren darauf momentan, indem sie Kurzarbeit verordnen. Früher entließen sie die Arbeiter einfach. Auch in der Weltwirtschaftskrise stand Überproduktion am Anfang.

2)Spekulationsblasen: Ob es sich um das Platzen der Blase der New-Economy handelt, um die Große Tulpenmanie oder um die Subprime Market Blase. Man sieht, dass sich der Wert der Dinge unvorhersagbar und vollkommen irrational entwickelt. Bis schließlich die Blase platzt. Viele Aktien und sonstige Veranlagungen wurden auf Kredit gekauft, die jetzt nicht mehr zurückbezahlt werden können. Dies führt zur

3)Bankenkrise: Banken leiden unter Liquiditätsengpässen. Es folgt eine Eindämmung der Kreditvergabe und gleichzeitig eine erhöhte Einforderung offener Kredite. Run auf die Banken führte früher zum Zusammensturz, aber auch heute sind große Bankhäuser betroffen.

4)Radikalisierung: In der Weltwirtschaftskrise wird die NSDAP zweitstärkste Kraft. Bei den Wahlen in Österreich 2008 erhalten die extremen Rechten 30%.

5)Paradigmenwechsel:
In der Gründerkrise kam der Abschied vom Wirtschaftsliberalismus und vom Freihandel.
In der Weltwirtschaftskrise kam die Ablöse der klassischen Wirtschaftstheorie durch den Keynesianismus.
Und auch heute rufen alle: Mehr Staat, weniger Markt. Abkehr von der Neoliberalen Doktrin.

Die Fragen, die jedoch noch offen sind: Wie groß wird die derzeitige Krise wirklich? Wann werden spürbare Auswirkungen erfolgen? Wie lange wird sie sich hinziehen und wann kommt der Aufschwung? Wie wird der Paradigmenwechsel aussehen? Was werden die Auswirkungen auf Politik sein?

http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise
http://de.wikipedia.org/wiki/Spekulationsblase
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_gro%C3%9Fe_Tulpenmanie
http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnderkrise
http://www.welt.de/wirtschaft/article3015077/Zahl-der-Auto-Kurzarbeiter-soll-sich-verdreifachen.html
http://www.handelsblatt.com/politik/handelsblatt-kommentar/die-oelblase;1420290
http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalratswahl_in_%C3%96sterreich_2008

Kritik am Hausverstand

"Philosophie und Religion machen beide das selbe: Beide suchen eine schwarze Katze in einem stockdunklen Zimmer. Der Unterschied ist, dass die Religion dabei laut ausruft:'Ich hab sie!' "
Dies ist ein Witz, doch ich glaube er hat einen Funken Wahrheit in sich. Wichtig ist mir hierbei die Tätigkeit der Suche. Wenn die Menschen Philosophie betreiben, dann denken sie über sich, über das Leben, über Gott, über Sprache, über das Denken usw. nach.
Dann stellen sie Theorien auf. Wenn den Menschen eine Theorie gefällt, wenn sie als "logisch" erscheint, dh. wenn sie "vom gesunden Hausverstand" als richtig erscheint, dann glaubt man an sie. Dann kommt jedoch jemand und entwirft eine Gegentheorie. Wenn uns diese als logischer erscheint, dann verwerfen wir die alte und glauben an die neue. Aber woher wissen wir, dass wir so etwas überhaupt erkennen können? Warum glauben wir, dass die "logischste" Theorie die richtige ist? Vielleicht ist es ja gerade die unlogischste, nach allen Regeln des logischen Schließens falsche Theorie, die stimmt?

Knowledge based economy

Abschrift meines auf Youtube erschienenen Videos über die Knowlegde based economy:

Knowledge based economy – ethische und epistemologische Implikationen:
Ich möchte mich zunächst auf die epistemologischen Implikationen konzentrieren und mich dann zu den ethischen durcharbeiten.
Knowledge based economy – zu Deutsch: wissensbasierte Wirtschaft – ist ein Schlagwort, das die Bedeutung von Wissen in unserer modernen Gesellschaft herausstellen soll. Nicht mehr nur Kapital, Grund und Boden und Arbeitskraft sind die entscheidenden Faktoren, sondern Wissen wird als wichtiger Produktionsfaktor angesehen. Die Frage, die sich hier zunächst stellt ist diese: War Wissen nicht schon immer essentiell? Brauchte man für wirtschaftliche Tätigkeiten nicht schon immer zumindest ein Quäntchen Wissen? Offensichtlich schon. Es scheint jedoch so, als hätte sich hier ein Perspektivenwechsel vollzogen. Wissen scheint wichtiger, scheint relevanter wahrgenommen zu werden – dies ist ein erkenntnistheoretischer Aspekt.
In dem Zusammenhang lohnt es sich, das Prinzip der emergenten Ordnungen zu betrachten. Man könnte sie hier auch als Bereiche relativer Eigenständigkeiten umschreiben. Es sind Ordnungen, ob nun wirtschaftliche oder gesellschaftliche oder einfach nur im Denken vorhandene, welche plötzlich entstehen und dann jedoch länger bestehen. Statistisch gesehen bedarf es hier einer kritischen Masse. Emergente Ordnungen, einmal entstanden, beeinflussen Erwartungshaltungen und machen manche Dinge wahrscheinlicher. Interessant ist hierbei das Prinzip der sogenannten Inkursion. Während wir durch Rekursion auf Vergangenes zurückgreifen und dies unsere Erwartungshaltung verändert, greifen wir auch auf Zukunftserwartungen zurück, welche unsere Erwartungshaltungen wiederum ändern. So gesehen verändert sich unsere aktuelle Position in der Erwartung ständig.
Bezogen nun auf das Wissen stellt der Wissenschaftsbetrieb eine solche emergente Ordnung dar. Manche Dinge sind wahrscheinlicher, andere relativ unwahrscheinlich. Ein Professor von mir gab immer das Beispiel, dass es sehr unwahrscheinlich wäre, wenn er auf einmal mitten in der Vorlesung anfinge zu tanzen.
Dadurch, dass emergente Ordnungen manche Dinge wahrscheinlicher machen, müssen sie andere ausblenden und unwahrscheinlicher machen. Bezogen auf das Wissen heißt das: ein gekonnter Umgang mit Nichtwissen. Um manche Dinge im Wissenschaftsbetrieb wahrscheinlicher zu machen muss Wissen ausgeblendet werden, wie zum Beispiel Wissen oder Nichtwissen über esoterische oder mystische Themen.
Das Thema kann auch geschichtlich oder idealtypisch behandelt werden. Aristoteles soll in einer Fußnote erwähnt haben, dass die Mathematik von müßiggehenden Priestern erfunden wurde. Sie wurden zunächst von der täglichen Erwerbsarbeit freigestellt und konnten dadurch einen Bereich von relativer Eigenständigkeit bilden. Als dann abstrakte mathematische Lösungen zurückwirkten auf praktische Probleme der Gesellschaft, zum Beispiel indem man bessere Erträge in der Landwirtschaft erbrachte, hatte sich diese emergente Ordnung gefestigt und bestätigt. Und die Beobachtung, dass das Freistellen von Arbeitern positive Auswirkungen auf die Arbeit selber hatte, veränderte die Erwartungshaltung gegenüber der Zukunft.
Ein Problem der emergenten Ordnungen lässt sich gut durch den Luhmanschen Satz: „Man kann nicht sehen, was man nicht sieht“, beschreiben. Dadurch, dass sich emergente Ordnungen voneinander abgrenzen werden die Probleme der anderen undurchsichtig. So kann es vorkommen, dass der Mathematiker auf einmal unter Legimationsdruck steht, weil ein Politiker beispielsweise Mittel bereitstellen soll und nicht mehr nachvollziehen kann, warum sich der Mathematiker mit dem und dem Problem beschäftigt.
So what? Was sind nun ethische Implikationen?
Oben erwähntes Beispiel lässt folgende Lösung zu: Man könnte sich an die sogenannte requisite variety – zu Deutsch etwa notwendige Vielfalt - halten. Um mit der in der modernen Gesellschaft vorherrschenden Vielzahl an emergenten Ordnungen umgehen zu können, muss man sich zunächst deren bewußt sein. Es muss klar sein, dass viele Bereiche relativer Eigenständigkeit nebeneinander existieren und man nicht immer nachvollziehen kann, was und jemand in einer anderen Ordnung tut. In Bibliotheken findet das garbage-can (Mülltonnen) Prinzip Anwendung. Dort werden wie in einen Mülleimer möglichst viele Bücher hineingeworfen, ohne dass man weiß ob diese jemals relevant sind. Und tatsächlich werden oft nur 20 Prozent der Bücher jemals ausgeliehen. Doch es muss die notwendige Vielfalt an Büchern herrschen.
Auf die moderne Gesellschaft umgelegt heißt das auch, das man sehen muss, dass diese anschlussfähig und überlebensfähig bleibt. Eine Möglichkeit die requisite variety in der Gesellschaft zu erhalten ist das momentan viel diskutierte und nicht ganz unproblematische Grundeinkommen. Auch die oft gepriesene Interdisziplinarität stellt einen Lösungsversuchersuch der Schnittstellenproblematik der emergenten Ordnungen dar. Zuguterletzt ein in meinen Augen kritischer Punkt:
Wenn ich mich den ethischen Implikationen mittels der kantischen Frage: „Was soll ich tun?“ nähere, kommt bei mir der Verdacht auf, dass man sich bei der Behandlung des Themas wie oben dargestellt leicht in die Fänge eines naturalistischen Fehlschlusses begibt. Aber vielleicht befinde ich mich hier auch in einer anderen emergenten Ordnung…

Der Sinn des Lebens

Der Sinn des Lebens ist, den Sinn des Lebens zu finden. Und wenn man ihn gefunden hat, kennt man ihn.
Creative Commons Lizenzvertrag
Diese(s) Werk bzw. Inhalt von Patrick Seabird steht unter einer Creative Commons Attribution 3.0 Unported Lizenz.