Praktische Erfahrungen mit Bitcoin

In einem vergangenen Blogpost beschrieb ich die neue Internetwährung Bitcoin. Ich beschrieb die Chancen und auch die Probleme, die von dieser anonymen, weltweiten, dezentralen Währung ausgehen könnten. Um jedoch über die praktische Verwendung schreiben zu können, probierte ich sie einfach einmal aus.

Ich unternahm folgende Schritte:
Ich lud mir ein Programm von der Website herunter, mit dem man Bitcoins verwenden kann. Es war schnell installiert und die Benutzeroberfläche recht ansehnlich. Leicht konnte man sich Bitcoin-Adressen erstellen lassen. Ich war also sofort bereit, Bitcoins zu empfangen. Aber um auch welche senden zu können, musste ich erst an welche gelangen. Sofort fing das Programm an, Mining zu betreiben, also quasi nach Bitcoins zu schürfen. Nachdem ich das Programm dann mehrere Tage im Hintergrund hatte laufen lassen, fiel mir auf, dass trotz dem Mining noch kein einziges Bitcoin geschaffen worden war. Als ich daraufhin ein wenig nachgelesen hatte wurde klar, dass man so nur sehr schwer zu Bitcoins kommen kann.

Also trug meine Seite unter den Händlern ein, die Bitcoin akzeptieren. Schließlich sollte Bitcoin ja eine Währung sein, die zum Austausch von Gütern und Dienstleistungen dient. Vielleicht würde ich so zu ein paar Bitcoins kommen. Ich baute auch den nebenstehenden Banner in meine Seite ein. Bis heute hatte ich jedoch keinen einzigen Kunden, der mit Bitcoin hätte zahlen wollen. Also auch das war ein Fehlschlag.

Die ersten Bitcoin:
So registrierte ich auf der Seite Mt.Gox, um mir dort Bitcoins zu kaufen. Auch dort war man schnell registriert, ein Wechselkurs in Dollar wurde ebenfalls angezeigt. Ich überwies von meinem Konto 50 Euro im vollen Bewusstsein, dass es a) sehr riskant war und b) die Anonymität natürlich dahin war.
Die 50 Euro wurden mir zum damaligen Wechselkurs von 1,44 umgewechselt, was ca. 72 Dollar ausmachte. Um 50 Dollar kaufte ich zum damaligen Kurs von 19,9 Bitcoin, also insgesamt 2,5 Stück. 20 Dollar behielt ich, um bei Kursverfall nachzukaufen. Von den 2,5 Bitcoin überwies ich dann tatsächlich 1 Stück an meine "Geldbörse", die auf meinem Computer gespeichert ist. Es dauerte Tage und ich dachte schon, sie wären am Weg verloren gegangen, was natürlich nicht nachvollziehbar gewesen wäre.

Dann wurde die Seite Mt.Gox gehackt. Bitcoin hatte sich offenbar doch einige Feinde gemacht. Einige Zeit konnte ich dort nicht auf meinen Account zugreifen. Der Kurs stürtzte ins Bodenlose. Interessanterweise kam jedoch mein bestelltes Bitcoin endlich an, ich wurde also endlich Bitcoin-Besitzer.
Nach einiger Zeit war mein Account bei Mt.Gox wieder erreichbar und mein Geld und meine Bitcoins dort auch noch da. Der Wechselkurs war dann wieder gestiegen, mittlerweile wieder gefallen, bis auf 13 Dollar pro Bitcoin, weshalb ich da meine restlichen 20 Dollar investierte. Mittlerweile gibt sogar diese Seite, die Kurse in viele Währungen anzeigt. Der Kurs heute steht bei etwa 15 Dollar, ist also leicht wieder gestiegen.


Ich begann zu reflektieren:
Was tat ich da überhaupt? Welches Verhalten hatte diese Währung ausgelöst?
Das ernüchternde Ergebnis: Es war reine Währungsspekulation, was ich betrieb!
Ist Bitcoin nur zur Spekulation zu verwenden? Alles was ich tat, war wie auf einen Aktienkurs zu schauen und zu hoffen, dass er stieg.

Dies war dann doch ein interessantes Ergebnis des Experiments. Ich hatte Bitcoin weder eingesetzt, um etwas zu kaufen, noch um etwas zu verkaufen. Sie waren bisher nur zur Spekulation zu verwenden.
Aber das Experiment geht weiter. Wir werden in Zukunft sehen, ob Bitcoin sich auch als Tauschwährung durchsetzen werden oder ob sie nur als Spekulationsobjekt irgendwo zwischen Aktien und Gold steckenbleiben werden. Für die Seite Mt.Gox und für viele andere bedeutet die neue Währung inzwischen schon ein enormes Geschäft.
To be continued...

Ebefalls spannende Artikel von mir zu diesem Thema:
Interview mit mir über Bitcoin
Die Zukunft des Geldes - Ein Ausblick

Kommentare:

  1. bitcoin ist mindestens so suspekt wie Euro, Dollar ...
    Ich finde es cool, dass du dieses Experiment machst.

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  2. http://mjbmonetarymetals.co.uk/page12.html
    Auf dieser Seite kannst du 0.999 Silbermünzen à 1 Gramm im Bitcoin-Stil kaufen und mit Bitcoins bezahlen (möglicherweise kannst du dort auch andere Münzen/Barren mit Bitcoins bezahlen). Der Münzpreis hat einen gehörigen Aufschlag zu aktuellen Silberpreisen an den Metallbörsen. Allerdings könnte sich ein Sammlerwert ergeben - die erste Serie der Münzen ist bereits vergriffen. Außerdem ist der geforderte Silberpreis wohl immer noch unter dem Silber-Hoch von vor ein paar Monaten und so könnten die Münzen also auch für den Silberinvestor von Interesse sein. Interessant auch die 1-Gramm Stückelung. (Grundsätzlich läßt sich sagen, daß bei Gold und Silber alles unter einer Unze einen übermäßigen Aufschlag hat, der was den reinen Metallwert betrifft unangebracht ist, aber möglicherweise angebracht aufgrund Sammlerwerts.) Ich habe bei diesem Händler selber via WWW ein paar Münzen geordert, per Bitcoin bezahlt und innerhalb einer Woche lagen sie bei mir im Postfach (Kontinentaleureopa). Hier noch andere Börsen/Händler, bei denen Bitcoins akzeptiert werden: https://en.bitcoin.it/wiki/Trade

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  3. Zum Bitcoin-Wallet-GUI:
    Bei jedem Start des Wallet-GUIs lädt dieses die gesamte Zahlungshistorie der Währung (= alle Transaktionen, also alle "Zahlungsvorgänge") aus dem Internet herunter. Es empfängt dabei Blocks (Daten) aus einem Peer-to-Peer Netz mit maximal 8 anderen Instanzen (im wesentlichen andere Wallet-GUIs und demons (bitcoind)) und wird Peer-to-Peer-typisch aber gleichzeitig auch selbst zum Sender. Beim ersten Programmstart dauert das auch bei Breitbandinternetzugang mehrere Stunden bis ein halber Tag. Am Ende liegen, wie gesagt, alle Bitcoin-Transaktionen auf der lokalen Instanz (= dem eigenen Rechner) pseudonym (NICHT anonym) vor. Pseudonym heißt, ALLE Zahlungsströme können von ALLEN JEDERZEIT nachverfolgt werden. Allerdings fehlt die Information, wer hinter den Bitcoinadressen steht. Bei einer Transaktion dauert es bis zu ~2 Stunden bis diese in den aktuellen Block integriert wurde (meiner persönlichen Erfahrung nach fast immer weniger als 30 Minuten). NIE länger. Du hast offenbar die Transaktion durchgeführt, dein Wallet-GUI konnte sich aber nicht mit dem Internet verbinden. Entweder weil du es aus hattest oder wegen Firewall oder aus irgendeinem anderen Grund.

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  4. Und jetzt zum Bitcoin-Mining:
    Hierbei handelt es sich um die "Integration" aller Transaktionen seit dem letzten Block in den aktuellen Block. Die Summe aller Blocks wird übrigens auch als Block-Chain bezeichnet, der erste Block ist der Genesis-Block. Wie das genau funktioniert, sprengt leider das Format. Wichtig ist: es braucht potente Hardware (derzeit am effizientesten sind AMD-Grafikkarten, siehe hier: https://en.bitcoin.it/wiki/Mining_hardware_comparison ) und Energie (Strom). Hashfunktionen spielen eine zentrale Rolle.
    Um am Mining teilnehmen zu können, muß Bitcoin als Server gestartet (unter Linux mit Kommandozeienparameter "-server&") werden und dann kann pro Device (z.B. GPU) ein Miner (siehe hier: https://en.bitcoin.it/wiki/Category:Miners ) als Job gestartet werden. Allerdings ist die Chance einen Block zu finden sehr klein, wenn du allein minst (weíl schon so viele andere minen). Besser ist es, sich einem Mining-Pool (siehe hier: https://en.bitcoin.it/wiki/Comparison_of_mining_pools ) anzuschliessen. Hier minen viele Rechner gemeinsam, sie bilden eine Art virtuellen, dezentralen Supercomputer und du wirst anteilsmäßig beteiligt (es gibt verschiedene Beteiligungsmodi), meist abzüglich einer vertretbaren Gebühr in Prozent. Solominer + Pools bilden übrigens einen noch größeren virtuellen Supercomputer (derzeitige Kapazität: "Network total 8.928 Thash/s", ändert sich dauernd, siehe hier: http://www.bitcoinwatch.com/ ).
    Um die Währung zu hacken, nicht also eine Bitcoin-Börse, wie bei MT.Gox bereits geschehen, zu hacken, müsste ein Hacker gegen diesen virtuellen Supercomputer antreten. Bei der Hash-Funktionen zugrunde liegenden Asymetrie, scheint das aus heutiger Sicht unmöglich. Man benötigte einen Millionen oder Billionen oder noch viel höhere Kapazität als die Kapazität dieses virtuellen Supercomputers!!)
    Bitcoin-Mining ist übrigens ein ziemlich kompetitives Geschäft und hängt, wie sich jeder leicht denken kann, stark vom aktuellen Bitcoinpreis, dem Strompreis und der aktuellen "Difficulty" ab.
    Was die Zukunft von Bitcoins anlangt, gibt es eine Menge Gründe, die langfristig auf einen Wert 0 (Null) deuten. Gleichzeitig gibt es aber (fast genauso viele?) Gründe, die den Bitcoins (weiter) einen gewissen Wert zuweisen. Mein Beitrag ist schon jetzt zu lang und ich erspare mir, sie hier anzuführen. Jedenfalls bleibt es spannend! :-)

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  5. Herzlichen Dank für die Infos! Wirklich gut erklärt!

    Ja, es bleibt spannend!

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  6. TIPP:
    =====
    Bitcoins können per Europa-Überweisung (SEPA) mit relativ geringen Spesen (0,5% Käufer, 0,5% Verkäufer, Überweisungskosten wie bei Inlandsüberweisung, also meist kostenlos) hier gekauft und auch wieder verkauft werden:
    https://www.bitcoin.de

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  7. Danke, Anonym, für den "Tipp", welcher in der Form leider ziemlich als Werbung daherkommt.

    Der Vollständigkeit halber: Unter Bitcoin.it kann man mehrere Börsen und Bezugsmöglichkeiten für Bitcoin sehen...

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  8. Extrem cool, dass hier auch BTC akzeptiert werden! :)

    Bin eigentlich über den Artikel zu den Buchhandlungen hier hergekommen... - stolperte dann aber über den BTC-Eintrag.

    Go on! ;)

    Und 'ne nette Wertsteigerung seit 2011 haste ja auch erlebt... - auch wenn das natürlich nicht der Sinn des Ganzen bleiben sollte. :)

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