Wir sind das System!

Wenn man heutzutage über die Zeit des zweiten Weltkrieges lernt und über die damals verübten Gräueltaten, so fragt man sich zunächst: "Wie konnte das passieren?"

Eine ganze Generation fragt ihre Großeltern, wie sie so etwas zulassen konnten. Natürlich gibt es immer die "Entschuldigung" des Informationsmangels. "Man hat das nicht gewusst". Das ist auch nachvollziehbar, denn zu der Zeit war die schnelle und leichte Übertragung von Informationen noch nicht so fortgeschritten wie heute. "Gewundert hat man sich schon,", laut persönlichen Gesprächen, "dass auf einmal die Hälfte der Kinder aus der Schulklasse fehlten".
Für mich stellt sich die Frage, ob unsere Enkelkinder uns den selben Vorwurf machen werden: "Wie konntet ihr das zulassen?"

Vor kurzem konnte man auf Twitter folgende Nachricht von mir lesen: "Wer die gegenwärtige Banalität des Bösen sehen möchte, muss nur in den Spiegel schauen."
Natürlich ist das ein wenig übertrieben, aber es hilft, meinen Standpunkt klarzumachen: Auch heute gibt es Übel auf dieser Welt und die Schreibtischtäter sind dieses Mal: Wir! (
Und ich selber nehme mich hiervon natürlich nicht aus...)

Hierzu einige Beispiele:

  • Wir geben täglich unsere Privatsphäre auf, wenn wir freiwillig auf Facebook, Twitter usw. über unseren Status bescheid geben. Facebook, und damit andere, weiß, mit wem wir befreundet sind, wie unser sozialer Status ist und noch viele andere Dinge. Über die Gefahren von Facebook habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Unsere Enkel werden uns fragen: Warum habt ihr so hart erkämpfte Grundrechte wie die Privatsphäre einfach so über Bord geworfen?
  • Wir regen uns über die kürzliche Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auf. Alle kennen die Ursachen und möglichen Folgen des Klimawandels. Trotzdem steigen wir mir nichts dir nichts ins nächste Auto und tun nichts, um uns auf nachhaltige Energieversorgung umzustellen. Die Frage unserer Enkel: Warum habt ihr unseren Planeten unbewohnbar gemacht?
  • Wir regen uns darüber auf, dass der Einzelhandel zurückgeht und dass in China Hungerlöhne gezahlt werden und Kinderarbeit vorherrscht. Es werden nur noch große hässliche Einkaufszentren gebaut, wo man unpersönlich bis gar nicht beraten wird. Trotzdem gehen wir dort einkaufen und nicht zum Schneider ums Eck. Trotzdem kaufen wir Gewand made in china. Wir ärgern uns über den unfairen Welthandel, aber: Wie oft greifen wir auf Fairtrade Produkte im Supermarkt zurück?
  • Es ist bekannt, dass die USA ein Konzentrationslager (natürlich klein im historischen Vergleich und vermutlich zu besseren Bedingungen, dennoch...) in der Guantanamo-Bay betreiben. Wann haben wir das letzte Mal dagegen protestiert? Wann haben wir das letzte Mal amerikanische Unternehmen boykottiert? Wann haben wir das letzte Mal Einfluss auf unsere Politiker genommen, damit diese dagegen vorgehen?
  • Wem gehören die Pensionsfonds? Uns! Wer möchte eine immer höhere Rendite haben auf sein eingesetztes Geld? Wir! Es sind dies dieselben Pensionsfonds, die dann Firmen aufkaufen und Leute freisetzen. Es wird überall gejammert, dass nur noch der Shareholder-Value im Mittelpunkt steht. Doch wer hat die Politiker gewählt, die vorgaukeln, ein staatliches Pensionssystem sei nicht mehr leistbar und man müsse doch ein drittes Bein der Pensionsvorsorge aufbauen, was viele Menschen auf einmal zu Aktienspekulanten machte, was schließlich auch für die Finanzkrise verantwortlich war? Wer möchte sich bei seiner Pensionsvorsorge von einem unvorhersagbaren Aktienmarkt abhängig machen? Wir!
Wir alle wissen von solchen Problemen. Heute, im Informationszeitalter, gilt die Ausrede der Informationsknappheit nicht mehr. Wir wissen davon, aber unser Verhalten wollen wir nicht ändern.
Täglich treffen wir mit jedem Euro, den wir ausgeben, die Entscheidung, wohin sich diese Welt bewegt.
Das Privatrecht kennt das Konzept der konkludenten Zustimmung. Wenn man mit seinem Verhalten signalisiert, dass man zustimmt, so kommt ein Vertrag zustande. So gesehen stimmen wir täglich diesem System mit unseren Handlungen konkludent zu! Täglich stimmen wir mit unseren Einkäufen dem Fakt zu, dass andere ausgebeutet werden! Mehr noch: Dadurch, dass wir eher das billigere Produkt bevorzugen, geben wir die implizite Anweisung, billiger zu produzieren. Wir geben die Anweisung zur Ausbeutung!
Wir sagen uns: "Aber ich alleine kann doch nichts ändern" und genau damit ändern wir nichts und täuschen uns vor, wir hätten keine Macht.

Wer ist Schuld? Wir! Wir unterstützen das System, tragen es, verändern es nicht. Noch konkreter: Wir sind das System.

1 Kommentar:

  1. Noch einige Beispiele gefällig?
    Wir regen uns nicht darüber auf, dass die EU-Politiker den Amerikanern Zugriff auf unsere Konten ermöglichen
    Wir lassen die "grüne Revolution" in Afrika zu.
    Wir lassen zu, dass der Islam unsere Gesellschaft untergräbt, obwohl er das mit einem ganz klaren Ziel verfolgt (nachzulesen im Koran)

    Aber es gibt immer mehr, die dagegen protestieren. Aber auf die Fragen meiner Enkel kann ich nur antworten:
    Weil ich zu faul bin
    Weil ich zu feig bin
    Weil ich lieber was anderes mache
    usw.
    Wenigstens fahre ich nur mehr selten schneller als 110 auf der Autobahn. Da verbrauche ich deutlich weniger.

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