Warum wir Tauben hässlich finden

Viele von uns finden Tauben hässlich, abstoßend. Doch warum ist das so?

Tauben ducken sich. Sie sind scheu, sie achten auf unsere Bewegungen. Sie überleben nur, wenn sie uns in Ruhe lassen, uns aus dem Weg gehen. Sind sie zu langsam, werden sie überfahren. Ein Fehler wird mit dem Tod bestraft und es sind keine Tierrechte, Kläger da, niemand der weint.
Tauben sind eigentlich Vögel und Vögel repräsentieren die Freiheit, das Fliegen. Schon die Möwe Jonathan zeigte uns die Freiheit des Fliegens und nach Reinhard Mey müsste über den Wolken "die Freiheit wohl grenzenlos sein". Die Stadttaube fliegt unter den Wolken. Sie ist nicht frei. Sie kann zwar fliegen, es ist aber immer nur ein kurzer Spaß.
Dahinter steckt ein zivilisationskritischer Gedanke. Tauben repräsentieren das, was die Stadt, die Zivilisation, aus der Natur und in gewisser Weise auch aus uns macht.
Auf sie projizieren wir unsere uns selbst auferlegte Gefangenschaft, denn unsere Freiheit endet auch bei der Freiheit des anderen. In der Stadt sind es viele andere, zu viele, deshalb sind wir unfrei. Und in den Worten von Georg Kreisler: "Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein!"



Tauben kommen, wenn es was zu essen gibt, so wie wir kommen, wenn es was gratis gibt. Sie sind Utilitaristen, wie wir.
Oft wird ihre Farbe als hässlich empfunden. Aber warum sind Tauben grau? Weil unsere Häuser grau sind, unsere Welt grau ist! Evolutionsbiologisch argumentiert könnte man sagen, dass sich die graue Taube besser durchsetzte, weil sie besser getarnt war. Die Farbe von Tauben als hässlich zu empfinden ist das eigentliche Eingeständnis, unsere Häuser hässlich zu finden.
Besonders zu viele Tauben auf einem Fleck hassen wir. Wir sind nicht fasziniert von ihnen wie zum Beispiel von Fischschwärmen. Wir sehen, dass es zu viele Tauben sind, weil wir auch zu viele Menschen auf einem Haufen sind.
"Tauben, die Ratten der Lüfte" sagen viele. Mann könnte genauso sagen: "Ratten, die Tauben des Bodens" Alle Tiere, die mit uns leben, sehen wir als minderwärtig. Besser: Alle Tiere, die mit uns leben und die wir nicht kontrollieren können. Dieser Teil unkontrollierbarer Natur um uns macht uns nervös. Hunde gehorchen uns, die mögen wir. Die Taube is das Symbol für ein Stück Natur, das nicht kontrollierbar ist.
Mit der Bezeichnung "hässlich" drücken wir also ein Gefühl aus. Wir fühlen uns nicht wohl in der Stadt, unter so vielen Menschen. Deshalb auch der Trend zur Stadtflucht. Wir wollen ein bunteres, oder zumindest grüneres Leben haben, wollen weniger zielgerichtet sein, wollen umgekehrt mehr andere kontrollieren als ständig das Gefühl zu haben, von anderen kontrolliert zu werden. Das Gefühl lässt sich auch mit "unglücklich" beschreiben. Wir haben uns unglücklich gemacht mit unserer Zivilisation und das verwandelt sich dann in Hass. Es ist dieser Hass auf uns, der die Tauben dann als Sündenböcke hässlich werden lässt. Sie werden also im wahrsten Sinne des Wortes hassbar, eben häss-lich.

In diesem Sinne, um es nochmal mit Kreisler zu sagen: "Geh ma Tauben vergiften im Park!"

Kommentare:

  1. also ich find Tauben gar nicht hässlich. Ok, sie kacken alles voll, aber darum sind sie nicht hässlich. Und Ratten find ich ehrlichgesagt süße, ästhetische Tiere. (Und selbe Meinung hab ich auch von den anderswo nicht minder verachteten Möwen - die sind für mich das wahre Symbol der Freiheit)

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