Abschaffung des Gewinns

In diesem Blogpost möchte ich zunächst erklären, was als allgemeine Rechtfertigung für den Unternehmergewinn gilt (wobei ich mich auf Kleinunternehmen beziehe!). Dann möchte ich einen Vorschlag bringen, um diese Rechtfertigung zu beseitigen und dadurch Preise allgemein zu senken.

Was ist Geld? Wie funktioniert es?

Die Rechtfertigung für den Unternehmergewinn ist oft, dass dieser ein erhöhtes Risiko eingeht. Als Unternehmer schießt man meist auf eigene Rechnung Leistung vor. Man kauft Rohstoffe, sucht Marktnischen und entwickelt Produkte von denen man glaubt, dass sie einmal gekauft werden. Erst wenn die Leistung angenommen wird, wenn das Produkt gekauft wurde, wird dieser Vorschuss des Unternehmers abgegolten. Ist das Produkt ein Flop, bleibt der Unternehmer auf den Kosten sitzen und muss im schlimmsten Fall sein Unternehmen in den Konkurs schicken. Man sieht eben erst im Nachhinein, ob ein Produkt gut ist oder schlecht. Zuerst wird das Gut produziert, dann erst verkauft.

Dieses Versuchs- und Irrtumsprinzip wird als eines der Erfolgsfaktoren der Marktwirtschaft gesehen. Bei zentraler Planung ist Versuch und Irrtum ausgeschlossen, weil zuerst geplant und dann produziert wird, von allen, für alle. Der Planer soll damit schon im vorhinein einplanen können, meist für ganze Volkswirtschaften, was gute Produkte sind und was die Menschen brauchen werden. Das Risiko dabei ist: Wenn der zentrale Planer das falsche produziert, ist es der Schaden der gesamten Volkswirtschaft.

In einer Marktwirtschaft wird das Risiko auf die einzelnen Unternehmer aufgeteilt. Dezentral wird entschieden und Versuch und Irrtum angewendet. Um dieses Risiko abzufedern, gesteht man Unternehmern den Gewinn zu. Sollten sie erfolgreich sein, so dürfen sie auch ruhig mehr verdienen. Sie haben auch mehr riskiert. In der Preiskalkulation des Produkts ist deshalb auch ein Risikoaufschlag enthalten. Jedes verkaufte Produkt muss einen Beitrag leisten, die eventuell noch zukünftig entwickelten Flops zu kompensieren. Der Preis des Produkts muss dadurch höher sein, als die Vorleistungen gekostet haben.

Die Frage, die sich hier stellt: Könnte man dieses Risiko minimieren und dadurch die Kosten senken? Anders gefragt: Wenn das Unternehmensrisiko wegfällt, wäre dann die Rechtfertigung für den Gewinn weg? Müsste man dann den Risikoaufschlag aus der Kalkulation entfernen, was Produkte billiger machte? Und wenn ja, dann wie?

Ich sehe folgende Möglichkeiten, um das Unternehmerrisiko zu minimieren:

1) Man lagert das Risiko auf seine Kunden aus, indem die Kunden die Leistung bezahlen, bevor sie erbracht wird. Man verkauft beispielsweise Gutscheine. Diese Gutscheine können dann später eingesetzt werden, um die daraufhin produzierten Produkte zu kaufen.

- Die Firma Waldviertler macht es indirekt vor: Man kann in ihr Solarkraftwerk investieren und bekommt Gutscheine dafür, die man dann in Zukunft in ihre mit der Energie des Solarkraftwerks produzierten Schuhe tauschen kann.

- Organisationen wie Respekt.net oder Kickstarter gehen in eine ähnliche Richtung. Dort werden Projektideen von vielen Leuten zunächst durch einen Geldbetrag gefördert. Wenn das Projekt dann steht, profitieren die Leute indirekt oder direkt vom entstandenen Projekt.

- Eine dritte Möglichkeit beschreibt Olga Förtsch, wodurch sogar ein neues Geldsystem entwickelbar wäre:
Im neuen System könnte die Bahn ihre eigenen Zahlungsmittel ausgeben, die beispielsweise mit dem Wert eines von einer Person gefahrenen Bahn-Kilometers oder eines beförderten Tonnen-Kilometers unterlegt wären. Das wären im Grunde genommen Gutscheine, die sowohl zum Tausch zwischen anderen Personen als auch zum Erwerb der Bahn-Tickets oder direkt als Fahrschein fungieren könnten.
Die zweite Möglichkeit, um das Unternehmensrisiko zu senken:

2) Man minimiert die Probleme und Folgen des Konkurses. Man könnte zum Beispiel ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen. Dadurch wäre jeder Unternehmer sicher: Gehe ich in Konkurs, lande ich nicht auf der Straße. Jeder Unternehmer könnte dadurch höhere Risiken eingehen und müsste Risiken nicht mehr einpreisen.

Die Abschaffung der allgemeinen Rechtfertigung für Profit hätte mehrere Folgen:

Erstens könnte man sämtliche Unternehmen in Non-Profitorganisationen umwandeln. Die Unternehmer könnten nur noch ihre Leistung abdecken und man müsste nicht mehr leistungsloses Einkommen an Kapitalbesitzer ausschütten. Durch geringeres Risiko könnte man mehr Versuche starten, mehr Unternehmen gründen und die Folgen der Irrtümer erleichtern, was zu mehr Konkurrenz und niedrigeren Preisen führen könnte.

Was denkt ihr? Würde ein geringeres Unternehmerrisiko die Rechtfertigung für Gewinne verschwinden lassen und dadurch die Preise senken? Was für Möglichkeiten seht ihr dazu?

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