Wirtschaftsphilosophische Fragmente

Folgende Fragmente entsprangen meinen tagtäglichen Reflexionen über wirtschaftliche Themen. Sie stellen keine Wahrheiten dar, sondern höchstens Anregungen zur Diskussionen, neue Fragestellungen oder einfach nur Geistesblitze. Diskussionen können dazu gerne in den Kommentaren geführt werden. (Ich habe sie nummeriert, damit man einzeln darauf eingehen kann...)
  1. Zu sagen, Zins sei das natürlichste der Welt, ist wie zu sagen, Waffen, Drogenkonsum oder Vergewaltigung seien es.
  2. Im Gesellschaftlichen gilt für das Prinzip "Trial and Error": Öfteres Versuchen verändert die Wahrscheinlichkeit des Erfolges.
  3. In unserem Wirtschaftssystem wird man nicht dafür belohnt, Probleme entgültig zu lösen. Würde man das tun, wäre man seinen Job los.
  4. Macht bedeutet Veränderbarkeit. Wer Schuld hat, hat auch Macht, denn er konnte verändern. Suche die Schuld bei dir!
  5. Wenn Geld kein Ding ist: Ist es dann nicht rational, sich gerade so zu verschulden, dass man gerade noch die Zinsen bedienen kann?
  6. Wenn das Problem darin besteht, dass die geldschöpfende Stelle nicht die Zinsen mitschöpft, dann lautet die Lösung: Zinslose Kredite. 
  7. Die Lösung aller philosophischer Fragen liegt im Verwerfen der Frage! Durch Verwerfen von Fragen kann man sie jedoch nicht beantworten!
  8. Die Frage: "Is it a bug or a feature?" kann man auch so stellen: Ist es ein Defizit, oder eine Fähigkeit?
  9. Eines haben wir durch den Bologna-Prozess gelernt: Wie man sich Sachzwängen unterwirft.
  10. Sachen können nicht zwingen.
  11. Man weiß zwar nicht, was für andere gut ist, aber man kann wissen, was für sie schlecht ist.
  12. Arbeit ist Mittel-zu, aber auch Selbstzweck. Dort, wie sie Mittel-zu ist, gilt es, sie zu reduzieren.
  13. Wenn die kleinste Wirtschaftseinheit der Mensch wird, dann werden die Waren teurer, weil jetzt überall Gewinn aufgeschlagen werden muss.
  14. Freiheit kommt nicht durch mehr Arbeit für andere sondern durch weniger unfreiwillige Arbeit überhaupt. Das heißt, sie kommt durch Maschinisierung und Automatisierung.
  15. Induktives Schließen ist die Voraussetzung für Versuch und Irrtum.
  16. Der Trick besteht darin, zu glauben, man müsse etwas tun, aber gleichzeitig immer zu wissen, dass man eine Wahl hat.
  17. Die Gesamtheit der Phänomene sind die Welt.
  18. Man muss nicht die Zukunft ändern. Man muss die Gegenwart ändern!
  19. Die Lösung liegt im Nichts! Schauf auf das, was du bisher nicht gesehen hast! Denk an das, an was du bisher nicht gedacht hast! Worüber wird nicht gesprochen?
  20. Wenn alles miteinander verbunden ist, ist auch alles mit mir verbunden. Ich muss also nur mich ändern und und ich verändere alles andere!
  21. Das Problem ist die Bewertung!
  22. Wie würde ein Geldsystem aussehen, das auf dem SK-Prinzip beruht?
  23. Macht: Zwei sind stärker als einer. Deshalb gibt es Unternehmen. Deshalb gibt es Staaten.
  24. In einer modernen Bilanz dürfte man kein Vermögen festhalten.
  25. Die USA haben ein schlechtes Sozialsystem und stehen finanziell schlecht da. Schweden hat ein gutes Sozialsystem und steht finanziell gut da. Zufall?
  26. Was ist mit den Teilen der Gesellschaft, die wir bisher nicht beachtet oder angesprochen haben, für die wir nicht einmal ein Wort haben?
  27. Nichts ist inhaltlich schwer. Man muss sich nur aufraffen können.
  28. Das was jemand sagt und dass jemand das sagt, sagt oft viel über diesen jemand.
  29. Der Sinn von Staat ist, dass das, was unrentabel, aber notwendig ist, doch geschieht.
  30. Karl Marx: Was passiert, wenn die Ware selbst zur Ware wird? Was passiert, wenn die Ware Arbeitskraft keine Ware ist?
  31. Derjenige, der ein neues System, einen neuen Gedanken, einen neuen Geldschein einführt und er erreicht Akzeptanz, hat Macht.
  32. Gegenüber sich die Schädeln einhauen ist Tausch vorteilhafter. Gegenüber Tausch ist Geld vorteilhafter. Was ist gegenüber Geld vorteilhafter? Was ist der nächste Schritt?
  33. Inflationstheorie: Wenn die Leute in die Sachwerte flüchten, steigt das Angebot an Geld und die Nachfrage sinkt, weil es niemand mehr haben möchte. Deshalb wird Geld, verglichen mit Waren, teurer. Im Umkehrschluss: Die Preise für Waren ausgedrückt in Geld steigen. Die Preise für Geld ausgedrückt in Waren sinken. Man bekommt für mehr Geld weniger Waren und für weniger Waren mehr Geld.
  34. To do: To-do-Liste schreiben.
  35. Don't hate the player, hate the game! Don't love the player, love the game?
  36. Warum kostet überhaupt etwas etwas? Nicht, weil die Ressource knapp ist, sondern weil sie jemandem gehört.
  37. Kreuzfahrt statt Kreuzzug!
  38. Ist Wert beobachtbar?

Kommentare:

  1. Meine persönliche Meinung

    zu 14.: Theoretisch ja, praktisch (größtenteils) nein, da Einkommen und Arbeit immernoch nicht getrennt sind.

    zu 18.: Ja, es gibt nur das JETZT. Ich finde es wichtig sich der Illusion von "Zeit" stets bewusst zu sein. Die Zeit ist und bleibt nichts weiter als eine Organisationseinheit. Es vergeht keine Zeit, es gibt nur das Jetzt, alles befindet sich in Entwicklungsprozessen. Vergänglichkeit ist ein Ausdruck von abgeschlossenen Entwicklungsprozessen, nicht von vergangener Zeit.

    zu 20.: Schon von "Ho'oponopono" gehört? Ho’oponopono geht davon aus, dass alles eins ist in der Welt, auch wenn wir uns getrennt fühlen. Aufgrund dieser Einheit, kann nichts in der eigenen Welt geschehen, ohne dass es nicht auch eine Resonanz in dem Betrachter dazu gäbe. Man kann Probleme im Außen nur dann ändern, wenn man die innere Resonanz dazu heilt. Es gibt einen hawaiianischen Arzt (Dr. Hew Len), der aus diesem Bewusstsein heraus Menschen heilt, indem er sich selbst heilt.

    zu 27.: 1000% Zustimmung!

    zu 36.: In einer Eigentumsgesellschaft ist das so.

    zu 38.: Was ist Wert? - Abgesehen davon halte ich einen "Wert" für etwas subjektives, daher weder zu beobachten, geschweige denn zu berechnen.


    39. Gibt es einen Gott und wenn ja warum?

    40. Wenn der Zins der "Preis" für das Geld ist, dann ist doch die Nullzinspolitik des FED nur richtig!


    Just my 2 Cents!
    LG Peter

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  2. @Peter: Danke für deine 2 Cents!

    zu 14: Ja, dieser Satz ist vor allem an jene gerichtet, die Freiheit mit einer möglichst freien Marktwirtschaft ohne Staatseingriffe (sprich soziale Absicherung) gleichsetzen. Wollte damit nur zeigen, dass eben Freiheit nicht durch mehr Arbeit für andere kommt sondern durch weniger unfreiwillige Arbeit überhaupt. Das heißt, sie kommt durch Maschinisierung und Automatisierung.

    18: Zustimmung. War auch eine Erinnerung daran, nicht immer Dinge in die Zukunft zu verschieben, sondern eben jetzt anzupacken.

    20: Noch nie gehört. Klingt echt spannend, danke! Denke, dass wir bald mehr von solchen Geschichten hören werden!

    27: ;-)

    36: War wiederum an die fanatischen Anhänger der Österreichischen Schule gerichtet, die glauben, der Preis wäre ein Indikator für Knappheit.

    38: Teile deine Meinung.

    39: Kann ich dir nicht beantworten. Wir Menschen scheinen dazu zu tendieren, das Unerklärbare einer Person namens Gott zuschreiben zu wollen. Das heißt aber nicht, dass es ihn nicht gibt oder gibt. Vielleicht kann man hier Punkt 7 anwenden?

    40: Hm. Siehe auch mein Punkt 6: "Wenn das Problem darin besteht, dass die geldschöpfende Stelle nicht die Zinsen mitschöpft, dann lautet die Lösung: Zinslose Kredite." Meintest du das?

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  3. zu 36.: Preise, die sich auf polypolistischen Märkten bilden, KÖNNEN ein Indikator für die Knappheit eines Gutes sein und sind es meiner Meinung nach auch in den häufigsten Fällen. Das hat nur nichts mehr mit deiner ursprünglichen Äußerung "Warum kostet überhaupt etwas etwas" zu tun. Das liegt - wie du es dir ja auch sofort selbst beantwortest - daran, dass es jemandes Eigentum ist. Und das ist eben für eine Eigentumsgesellschaft (anders als z.B. in einer Stammesgesellschaft) die zwangsläufige Folge. Ist das eigentlich korrekt (im Sinne von fair)? Ich meine Ja UND nein...

    Meine Punkte 39. + 40. waren weniger tiefsinnig als deine Punkte und eher (nicht ganz ernst gemeinte) spontane Ergüsse. Zu 40.: Ich meinte es so: Wenn Geld (hier: der USD) keinen "Wert" hat und dem Zins die Eigenschaft zugeschrieben wird, dass er der Preis des Geldes sei, dann halte ich die Zinspolitik der FED für konsequent und sachlich korrekt, wenn sie keinen Preis für verliehene Dollars verlangt ;)

    Zu deinem kommentierten Punkt 20: Das denke ich auch. Die Zeit ist reif.
    Ist eigentlich Spiritualität im weiteren Sinne generell ein Thema für dich?

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  4. 36: Stimmt. Weil wir bezahlen ja immer nur das Eigentum. Das Geld geht an den anderen. Der Gegenstand bekommt kein Geld...

    40: :-D, jetzt verstehe ich.

    20: Spiritualität... Kommt darauf an, was man darunter versteht. Ich würde sagen, beinahe alles ist ein Thema für mich, also ja. Was mir nicht gefällt, sind die sektoiden Züge, die man oft im Zusammenhang mit Spiritualität beobachten kann. Was ich sagen kann: Seit ich ab und zu meditiere, hat sich mein Leben sehr zum Positiven verändert. Ob es das auch ohne Meditieren getan hätte, wird man natürlich nie wissen.

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