Amazon: Der Kreis schließt sich

Schauen wir uns zu Beginn die Chronologie einer tragischen Geschichte an:
  • Alles beginnt, wie eine ARD-Doku die Arbeitsbedingungen bei Amazon aufzeigt:



Diese Doku legt dar, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Es wird in ihre Privatsphäre eingedrungen, gesetzlich vorgeschriebene Standards werden mittels Leiharbeit umgangen und es werden Firmen als Aufpasser beauftragt, die Neonazis anstellen.



Ich hatte bei diesen Meldungen schon längst die Geschäftsbeziehungen mit Amazon abgebrochen. Ich kaufe nichts mehr dort ein. Ich verwende keine Affiliate-Links mehr. Ich verkaufe meine Bücher nicht mehr über Amazon (außer da, wo ich noch vertraglich gebunden bin). Alle diese Infos habe ich auch über die sozialen Netzwerke unter meinen Freunden weiterverbreitet. Mit so einem Unternehmen wollte ich nicht zusammenarbeiten, geschweige denn dort einkaufen.
Doch dann kamen Infos, die den Kreis schlossen:
Diese beiden Informationen ließen mich nachdenklich und wütend zurück.

Denn die erste Meldung ließ für mich nur folgende Schlüsse zu:
  1. Entweder den Menschen war das Verhalten von Amazon egal.
  2. Oder sie konnten nicht von A auf B schließen.
  3. Oder sie hatten nie eine Zeitung aufgeschlagen und wussten nichts davon.

Ich weiß nicht, welcher bedenklicher ist.

Ich wurde ein wenig wütend. Wütend über die Leute, die sich über den Kapitalismus aufregten. Wütend über Leute, die sich über Burnout oder schlechte Arbeitsbedingungen beschwerten. Wütend über Leute, die über Ausbeutung jammerten. Denn wie kann man sich über etwas beschweren, das Ganze jedoch dann wieder durch die eigenen Handlungen unterstützen?! Mit jedem Euro, den wir ausgeben, entscheiden wir, wohin sich diese Welt dreht!

Liebe Leute! Man kann nicht an der Supermarktkassa als Dritter in der Reihe stehen und nach vorne rufen "Bitte eine neue Kassa aufmachen!" und sich gleichzeitig wundern, dass es in der Arbeit immer stressiger wird. Wie man in den Wald schreit, so hallt es zurück!
Man kann sich nicht über immer mehr Druck auf dem Arbeitsmarkt aufregen und trotzdem Konzerne wie Amazon belohnen, indem man ihnen Rekordumsätze beschert! Durch den Einkauf bei Amazon gibt man Amazon die Zustimmung, weiter so zu verfahren. Man zeigt ihnen, dass man ihre Geschäftspraktiken unterstützt.

Die meisten Menschen sehen offenbar den Zusammenhang nicht. Sie können nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Sie können keine Trends weiterführen. Oder sie wollen nicht. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Sie haben Angst vor der eigenen Veränderungsmacht.

Oder aber ihnen gefällt die Ausbeutung von sich und von anderen und das gleichzeitige Jammern darüber.

Aber vielleicht kann ich helfen und einmal den Trend weiterverfolgen, der aus obiger Meldung Nummer zwei folgt:

Denn die gute Nachricht lautet: bald werden gar keine Menschen mehr in den Lagern von Amazon arbeiten. Die Logistik wird komplett maschinisiert ablaufen. Jetzt also in die Lagerarbeiterbranche zu wechseln dürfte keine gute Idee sein. Dann werden jedoch auch noch die Drohnen kommen und unser Leben komplett umkrempeln. Die Drohnen werden den Paketdienst übernehmen und dort die Menschen ersetzen.



Wenn man also im Paketservicebereich arbeitet könnte man jetzt schon anfangen, sich umzuschulen. Denn der Arbeitsaufwand in der Branche wird überflüssig oder zumindest drastisch reduziert werden.
Durch die steigende Rechenleistung werden die Drohnen auf einmal universell einsetzbar. Man denke nur an eine Großbaustelle, auf der keine Menschen mehr arbeiten. Es gibt große Drohnen für das Heben schwerer Teile. Kleine Schweißdrohnen verbinden Metalle. Andere schrauben Fenster an die Fassade. Über kurz oder lang wird es komplett maschinisierte Baustellen geben, die komplett menschenlos ablaufen. Die Hochhäuser in wenigen Tagen komplett errichten.

Natürlich kann es auch ganz anders kommen. Der Dollar oder der Euro könnte crashen und eine richtige Weltwirtschaftskrise auslösen. Oder es fliegt ein Atomkraftwerk in Frankreich und/oder Deutschland in die Luft. Auch nicht ganz unwahrscheinliche Szenarien. Dennoch denke ich, dass die Maschinisierung nicht halt machen wird. So sollte man sich auch auf dieses Szenario vorbereiten.

Technologie setzt sich einfach immer schneller durch. Wie lange dauerte es, bis jeder in Österreich ein Handy hatte? Fünf Jahre? Wie lange, um vom Handy aufs Smartphone umzusteigen? Ein Jahr?! Was werden wir in einem Jahr haben? In zwei oder drei?

Die gute Nachricht ist, dass man vor dieser Maschinisierung keine Angst zu haben braucht. Wir sollten nicht wie die Maschinenstürmer der industriellen Revolution reagieren. Auf lange Sicht kann man es als Positiv bewerten, wenn uns Maschinen die Arbeit abnehmen. Wenn eine Maschine billiger als der Mensch arbeiten kann, so ist die Folge, dass auch die Produkte billiger werden. Das ist ja der Grund, weshalb die Leute so gerne bei Amazon einkaufen. Weil es billiger ist. Wenn also ein Haus mittels Drohnen schneller gebaut wird, so werden Häuser einfach billiger.

Unser materieller Wohlstand beruht meines Ermessens ja darauf, dass uns Maschinen so viel Arbeit abnehmen können. Er beruht also auch darauf, dass in der Vergangenheit der Job von jemandem ersetzt wurde durch eine Maschine. Und offensichtlich wollen wir diesen Fortschritt und diesen materiellen Wohlstand. Sonst würden wir nicht wie verrückt einkaufen.

Also schließt sich der Kreis:
So gesehen sollte man sich nicht wundern, wenn es immer stressiger im Job wird. Und man sollte sich nicht wundern, wenn man plötzlich durch eine Maschine ersetzt wird. Denn früher oder später wird das passieren. Was bleibt ist die Frage, wie man darauf reagiert. Und wie man das Verteilungsproblem löst. Aber auch dazu gibt es Lösungsansätze. Man muss sich nur informieren und dementsprechend handeln.

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