Geld und Gier - Teil 4


Biologische Erklärungen

Liegt die Gier nach Geld eventuell in den Genen? Manche Hirnforscher würden genau das behaupten. So werden bei kurzfristigen Geldgewinnen Gehirnzentren aktiviert, welche auch beim Konsum von Drogen wie Kokain aktiv sind. Der Anblick von Geld kann tatsächlich ähnliche Auswirkungen auf das Belohnungssystem im Gehirn haben, wie zum Beispiel das Betrachten von erotischen Fotos![1] So kann ein höherer Kontostand zu Wohlbefinden führen, weil im Hirn der Botenstoff Dopamin ausgelöst wurde. Dies sei laut Neurobiologen eine angeborene Verfasstheit. Das Problem an dieser Belohnung ist wie bei der Sucht, dass man auch hier immer größere Summen braucht, um das gleiche Ausmaß an Wohlbefinden auszulösen. Dieser Mechanismus scheint jedoch auf unterschiedliche Menschen verschieden stark wirken. Forscher wollen sogar an Hand von Gentests herausfinden können, wie sehr man gefährdet ist, der Geldgier zu verfallen.[2] Gerade auf Finanzmärkten können oft ähnliche Verhaltensmuster beobachtet werden wie beim Pokern oder Wetten. Dies könnte auch daran liegen, dass Spielsucht und Risikoverhalten eng mit dem Hormonhaushalt im Hirn zusammenhängen und hier ähnliche Glückszentren bei Gewinnen aktiviert werden.[3] Glaubt man also der modernen Hirnforschung, so ist die Gier nach Geld tatsächlich angeboren und biologisch erklärbar.

 

Problemfelder der Gier nach Geld

Das Verlangen, welches die Gier nach Geld repräsentiert, äußert sich in Handlungen. Handlungen betreffen immer auch andere Menschen. Somit kann die Gier nach Geld einerseits Handlungen bezüglich der Natur haben, andererseits natürlich auch unmittelbar auf andere Menschen einwirken. Wie wir gesehen haben ist das Streben nach Geld auch das Streben nach Macht. Geld ist Macht. Denn mit Geld kann ich Dinge verändern in der Welt. Das Problem am Streben nach Geld ist natürlich, dass es Auswirkungen in der Welt haben kann. Doch müssen diese Auswirkungen unbedingt schlecht sein?

 

Kann Gier etwas Gutes sein?

Ein Versprechen des Kapitalismus lautet, dass die Gier nach Geld nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil soll die ausschließliche Fokussierung des Einzelnen auf seinen Eigennutzen und damit auch gieriges Verhalten nützlich für alle sein. Schon der Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft, Adam Smith, schaffte durch die zweimalige Erwähnung der „unsichtbaren Hand des Marktes“ eine wegweisende Metapher für die Selbstregulierung der Märkte, in welchen man die Menschen nur gewähren lassen müsse. Bis heute urgieren Vertreter der Wirtschaftswissenschaften darauf, dass Gier nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, sondern gerade die Triebfeder des Fortschrittes sein kann. „The business of business is business“, so wird diese Idee dem Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman in den Mund gelegt. Als Geschäftsmann muss man sich also nur darum kümmern, sein Geschäft zu vergrößern und mehr Geld einzunehmen. Sonst nichts. Wenn jeder auf sich schaut, so ist für alle gesorgt. Das heißt, der Blick auf die Gier ist nicht nur negativ konnotiert. „Die Bedürfnisse des Menschen sind nicht begrenzt“ – so würde ein Wirtschaftswissenschaftler vermutlich die Gier euphemistisch umschreiben. So gesehen gibt es mit der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft einige Vertreter der positiven Auswirkungen von Gier. „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ – so hat der Ökonom Kenneth Ewart Boulding die positive Konnotation der Gier in der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft kritisiert.

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der dritte Teil ist hier zu finden!

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