Ökonomie als die Lehre vom einfachen Leben

Ein entscheidender Aspekt von ökonomischen Handeln - mit minimalen Mitteln Maximales erreichen - ist das Vereinfachen.

Dinge weglassen, Wege kurz halten, Prozesse standardisieren und damit Überflüssiges reduzieren - all dies sind Schritte ökonomischen Tuns.

Nun kann man das gesellschaftlich anwenden: Man kann Transportwege wie Straßen verbessern und damit Verkehre vereinfachen, also es erreichen, dass man Güter und Menschen leichter von A nach B bringen kann.

Man kann es auch betriebswirtschaftlich sehen: Mittels Lean Management kann man seine Produktionsprozesse verbessern.

Auch im persönlichen Bereich ist viel möglich. "Simplify your life" ist das Schlagwort.

Womit wir auch beim Denken selbst angelangt wären.

Man kann ungeheuer kompliziert denken. Das menschliche Gehirn kann fantastische Welten erschaffen - das ist seine Stärke. Das ist aber auch seine Schwäche. Denn komplex heißt nicht automatisch glücklich!

Auf diesem Gebiet ist meine 90 jährige Großmutter ein persönliches Vorbild. Sie überrascht mit einfachen Aussagen: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß". Oder auf die Frage nach Gott gibt sie erstaunlich agnostische Antworten: "Ich weiß nicht, ob er existiert, und es ist mir auch egal."

Gerade in diesem einfachen Denken liegt eine überzeugende Chance zum Glück. Man muss Dinge nicht verkomplizieren, nur weil man kann. Man muss nicht die komplexeste Theorie zur Erklärung der Welt heranziehen - Wilhelm von Ockham lässt grüßen! "Small is beautiful" - könnte man fast buddhistisch sagen!

Oft führen einen die komplexen, tiefen Gedanken an Orte, die einen nur noch trübselig auf die Welt blicken lassen. Dann gilt es, wieder an die Oberfläche zu kommen und sich der Leichtigkeit und Einfachheit zu erfreuen.

Wenn sich Gedanken immer weiter spinnen, wenn ich immer tiefer in die Reflexion und die Reflexion der Reflexion rutsche, dann führt das oft zu nichts als Unmut und schlussendlich vielleicht sogar zur Verzweiflung. Da hilft oft nur eines: Wieder einfacher zu denken, kürzer zu denken, simpler zu denken. Gedanken wegzulassen und einfach aufzuhören. Wieder an die Oberfläche zu gelangen und Luft zu holen.

Somit - und das mag eine erstaunliche Erkenntnis sein - können uns die Lehren der Ökonomie helfen, ein einfachereres und ja - eventuell gerade dadurch glücklicheres Leben zu führen!

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