Methoden um Probleme zu lösen

Jeder von uns hat Probleme. Manche sind klein, manche sind groß. Manche sind mit anderen Menschen, manche mit uns selber. Ich habe vor einiger Zeit begonnen, Methoden zu sammeln, um die persönlichen Probleme besser lösen zu können. Bei all diesen Methoden versucht man immer, zuerst bei sich selber zu beginnen.

Keine dieser Methoden ist die Lösung für alles. Meine Herangehensweise bei einem Problem ist meist, eine dieser Methoden anzuwenden und einfach zu schauen, was passiert. Hilft sie nicht, so wende ich die nächste an. Bisher hat sich das als hilfreich herausgestellt.

Jede dieser Methoden kann natürlich noch mehr ausformuliert werden, über die meisten gibt es ganze Bücher. Es folgt eine Zusammenfassung der meiner Meinung nach besten Methoden, um seine Probleme zu lösen.
Los geht's.

Choose again

Diese Methode stammt von der Choose-Again-Society und besteht aus 6 Schritten.
  1. Der erste Schritt beginnt damit, dass man sich eingesteht, dass man ein Problem hat. Ja, ich habe tatsächlich ein Problem. Nein, ich bin nicht im Frieden mit mir.
  2. Der zweite Schritt ist, nicht das Problem im Außen oder bei jemandem anderen zu suchen. Nein, das Problem liegt in mir. Es geht nicht darum, irgend jemanden zu beschuldigen. Kein anderer hat Schuld. Ich habe keine Schuld. Mein Problem ist nicht hier, damit ich Vorwürfe machen kann, sondern es ist eine Chance, etwas zu lernen.
  3. In der dritten Stufe analysiert man die eigenen Gefühle. Was fühlt man tatsächlich? Wie kann man diese Gefühle genau bezeichnen? 
  4. Viertens: Wann habe ich dieses Gefühl zum ersten Mal gefühlt? Gehe zurück in deine Vergangenheit und denke und spüre nach, wann das erste Mal war, dass du das gefühlt hast. Welcher Glaubenssatz hat sich damals aufgebaut? Was glaube ich seitdem?
  5. Man bittet um Vergebung darum, dass man diesen falschen Glaubenssatz annahm. Man muss nicht einen Menschen bitten, oder auch nicht unbedingt ein übermenschliches Wesen. Es reicht, wenn man einen Satz zu sich ausspricht. "Ich bitte um Vergebung darum, dass ich das geglaubt habe. Es ist nicht wahr."
  6. Und der sechste Schritt: Wähle einen neuen Glaubenssatz. Welcher Glaubenssatz würde eher aus der Liebe kommen? Entscheide dich nun aktiv dafür!
Es ist nach meiner Erfahrung wichtig, sich bei jedem dieser Schritte viel Zeit zu lassen und keinen auszulassen. Hier sieht man die Schritte nochmals beschrieben:



(Falls man sich einlesen will: Hier ist ein affiliate Link zum Buch vom Gründer von Choose-Again, das ich leider noch nicht selber gelesen habe)

 

The Work von Byron Katie

Diese Methode habe ich oft als nicht leicht anzuwenden erlebt, weil sie erstens komplett unseren gewohnten Gedanken widerspricht und zweitens komisch formuliert ist. Aber vielleicht ist auch das der Grund, weshalb sie oft wirkt. Byron Katies The Work besteht aus vier Fragen, die man sich stellt und dann Umkehrungsformulierungen. Damit es wirkt lohnt es sich, die Fragen ernst zu nehmen. Angenommen man ist wütend auf den eigenen Partner, weil er immer zu spät kommt. Dazu wollen wir uns die vier Fragen stellen

Ist es wahr?

Ist es wahr, dass er immer zu spät kommt? Hm. Ja, oder nein? Wichtig ist, dass man wirklich nur mit Ja oder Nein antwortet und nicht in irgendwelche Erklärungen stolpert.

Kannst du dir absolut sicher sein, dass das wahr ist?

Dies scheint die selbe Frage nochmal zu sein. Ist es aber nicht. Die erste Frage bezieht sich auf den Sachverhalt. Die zweite Frage bezieht sich auf deine Beurteilung über den Sachverhalt. Hast du überhaupt die Möglichkeit, etwas über den Sachverhalt absolut wissen zu können?

Wie reagierst du auf diesen Gedanken?

Wie reagierst du darauf, wenn du daran denkst, dass dein Partner immer zu spät kommt? Beschreibe es. Fühle es.

Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?

Wer (und nicht wie!) wäre ich ohne den Gedanken, dass ich wütend bin auf meinen Partner, weil er immer zu spät kommt? Die Frageformulierung "Wer?" mag hier komisch erscheinen, aber sie ist, denke ich sehr bewusst so gewählt.

Umkehrungen

Nach den eigenen Antworten macht man Umkehrungen. Man den Satz auf verschiedene Arten um und fühlt, ob sich einer der Sätze wahrer anfühlt. Ich bin wütend auf meinen Partner, weil er nicht immer zu spät kommt. Ich bin wütend auf mich, weil mein Partner immer zu spät kommt. Ich bin froh, weil mein Partner immer zu spät kommt. Mein Partner ist wütend, weil ich immer pünktlich komme. Usw.

Manchmal ändert die Methode nicht unmittelbar etwas, aber man kann darauf vertrauen, dass sie was ändert, auch wenn man es nicht gleich merkt. Wer mehr darüber lesen mag, kann auch ihr Buch hier bestellen (affiliate link!) Ich kann es empfehlen!

 

...and I love that

Kyle Cease ist einer meiner Lieblingslehrer. Hier ist eines der besten Videos von ihm, wie ich finde:



 Er verwendet viele Methoden, aber eine der stärksten, die ich bisher anwendete, ist die im Video erwähnte "...and I love that"-Methode.
Egal, was dich stört, egal, was das Problem ist - denke daran und setze ein "...and I love that" dahinter.
Ich bin wütend auf den eigenen Partner, weil er immer zu spät kommt. Und ich liebe das.
Diese Methode ist sehr simpel und sehr wirksam. Ausprobieren kostet nichts!

Er hat noch mehrere gute Methoden, aber ich möchte mich hier nur auf ein paar meiner Lieblingszitate von Kyle Cease beschränken:
  • There is no such thing as failing.
  • The only place where you should be ist where you are!
  • If your mind comes up with a justification, you don't want it!
  • I am the apple tree. I can always grow more apples.
  • Every "I can't" is actually an "I haven't".
  • Trying to fix a problem is one of the best ways to keep a problem growing. Pretty much everything knows how to heal itself. Just get out of the way!
  • If you are working for the universe you are never unemployed!
  • What's trying to emerge out of me?

Die Umkehrung von Patrick Seabird

Diese Methode kam zu mir in der Meditation.
  1. Immer, wenn du mit jemandem Streit hast, unzufrieden bist, auf ihn wütend bist oder einfach nicht im Frieden, oder auch wenn dir jemand gerade eine Leidensgeschichte erzählt, und du möchtest darauf antworten, dann stell dir vor, was du zu ihm sagen würdest. Ich bin wütend auf dich, weil du immer zu spät kommst! Tue das und das, damit dir das nicht mehr passiert!
  2. Dann stelle dich selber vor, wie du das zu dir selber sagst. Begebe dich gedanklich in die Schuhe des anderen.
  3. Sieh, was passiert. Fühle, wie sich das Gesagte anhört. Was ist deine Reaktion auf das, was du eigentlich gerade dem anderen sagen wolltest?
  4. Ist das wirklich sinnvoll zu sagen? Ist das wirklich ein guter Rat? Wenn du deine eigene Reaktion auf deine eigene Aussage fühlst, dann kennst du meist bereits die des anderen im Vorhinein. Und manchmal ist es so, dass das, was du gerade dem anderen sagen wolltest, eigentlich für deine eigenen Ohren bestimmt war und du es dir selber sagen solltest!
Meistens ist nach dieser simplen Methode die Wut weg und das Problem gelöst. Oder du hast gemerkt, dass du die eigenen Probleme auf den anderen projiziert hast und eigentlich selber den Rat benötigt hast, den du gerade geben wolltest.

Fazit

Es gibt noch viele Methoden da draußen. Das Schöne an den oben genannten ist, man kann sie kostenlos selber ausprobieren. Man braucht keinen Psychotherapeuten (auch wenn das manchmal helfen kann), muss kein Seminar besuchen oder irgend welche teuren Geräte kaufen. Bei jedem Problem kann man mal Obiges probieren. Funktioniert es nicht, kann man immer noch andere Wege gehen. Das Risikio ist gering.

Meine Frage an euch: Was für Methoden verwendet ihr, um mit euren Problemen umzugehen? Ich bin gespannt auf Antworten!

Gedanken über Armut

Einer der Gründe, weshalb ich Wirtschaft studierte, war, weil ich das Problem der Armut verstehen wollte. Warum sind manche Menschen arm und andere reich?

Nun sitze ich in einer Pizzeria in San Cristóbal in Mexiko. Um mich herum sitzen an den Tischen mehrere Touristen, manche mexikanisch, sonst hauptsächlich US-Amerikaner. Herein kommt eine gebückte Gestalt, behängt mit mehreren bunten Tüchern. Es ist eine der alten Mexikanerinnen, die umhergehen und versuchen, etwas zu verkaufen. Soll ich ihr etwas abkaufen? Als ich noch versuche, mich an mein Wirtschaftsstudium zu erinnern, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können steht sie schon vor mir und hält mir ihre Tücher vor die Nase. Ein wenig überrumpelt deute ich auf einen roten Schal. 200 Peso, meint sie, beinahe 10 Euro. Um diesen Preis würde ich mir nicht einmal in Österreich einen Schal zulegen, zumal ich eigentlich keine Schals trage. Ich stimme jedoch zu, mehr aus Mitleid und Unentschlossenheit, als aus irgendeiner rationalen Überlegung heraus. Sie übergibt mir den Schal, ich gebe ihr die 200 Pesos. Sie meint, sie hätte 250 gesagt. (Dies ist eine Szene, die sich in Mexiko noch wiederholen sollte. Entweder ich verstehe die Zahlen oft falsch, oder die Mexikaner irren sich in der Preisangabe und teilen ihren Irrtum erst nach Zuschlag mit. Ich möchte ihnen keine bösen Absichten unterstellen, denn wer würde es schon ausnützen, dass man die Landessprache nicht gut spricht?)
Als ich ihr klar mache, dass ich den Schal dann doch nicht nähme, nimmt sie die 200 Pesos doch, gibt mir den Schal und zieht von dannen.

Wie ist dieser Sachverhalt nun wirtschaftswissenschaftlich zu behandeln?
Die klassische Lehre sagt, dass, wenn ein Handel stattfindet, beide Seiten meinen, besser gestellt zu sein. Sonst hätten sie dem Handel nicht zugestimmt. Sie scheint den Wert von einem 200 Pesos Schein höher zu schätzen als den des Schals, vermutlich auch deshalb, weil ihre Beschaffungskosten nur ein Bruchteil dessen betragen. Und ich? Mir ist es rein materiell ziemlich egal, ob ich die 10 Euro besitze oder den Schal. Wenn mir eines von beiden entwendet würde, so würde es mir vermutlich nicht einmal auffallen. A propos, wo ist der Schal überhaupt? Ah ja, hier:



Bin ich nach diesem Tausch tatsächlich besser gestellt als zuvor, wenn es für mich keinen Unterschied macht? Interessant ist schon, dass diese Handlungstheorie ja davon ausgeht, dass a) Menschen immer wissen, was sie besser stellt und b) sie auch danach handeln. Wenn ein Handel einen immer besser stellt, wieso gibt es dann Privatkonkurse? Die Prämissen a) und b) scheinen mir doch sehr gewagt. Wenn sie jedoch nicht gültig sind, so hinterfragt man einen der Grundsätze der Marktwirtschaft.

Beim Nachhause gehen von der Pizzeria kommen noch weitere Zweifel an diesem Handel auf. Habe ich ihr durch diesen Kauf wirklich geholfen? Da ich den Schal gar nicht benötige, wäre es doch besser gewesen, ihr die Pesos zu geben und den Schal zu überlassen. Dann hatte sie ihn nochmal verkaufen können. Ein Geschenk hätte sie noch besser gestellt. Schenkökonomie scheint effizienter zu sein als Marktwirtschaft.
Oder ich könnte den Schal jetzt einem noch Ärmeren schenken, dem vielleicht sogar die Produktionsmittel für eigene Schals fehlen.
Was jedoch gegen das Schenken spricht: sollten mehrere Menschen nur Geld geben und nichts als Gegenleistung wollen, würde sie vermutlich nur noch betteln. Und etwas verkaufen ist gefühlt besser als betteln. Ökologisch gesehen wäre wiederum betteln besser - die Ressourcen für die Herstellung der Schals könnten geschont werden.

Spontan fällt mir noch eine Möglichkeit ein, die offensichtliche Armut zu lindern. Ich könnte Produktionsmittel schaffen. Sollten die Schals, wie ich mir das in meiner naiven Vorstellung ausmale, per Hand in einem der umliegenden Dörfer hergestellt werden, so könnte eine industrielle Maschine vermutlich den Output steigern und damit die Kosten eines Schals senken. Diejenigen, die davor mit Nähen beschäftigt waren könnten dann sich auch um Vertrieb und Verkauf kümmern, was den Absatz erhöhen könnte. Danke, Betriebswirtschaftsstudium!

Wieder meldet sich die kritische Stimme in mir: und was ist mit den umliegenden Dörfern die keine Maschine besitzen? Sie könnten mit diesen niedrigen Produktionskosten nicht mithalten und wären noch ärmer gestellt. Nun gut, sie müssten halt innovativ sein und andere Produkte herstellen. Die Touristen in San Cristóbal könnten noch billiger Schals kaufen und zusätzlich neue andere Produkte. Fortschritt nach westlicher Art. Ökologisch ebenso bedenklich.

Und vielleicht sind die Armen auch gar nicht unglücklich? Vielleicht gefällt es gar dieser alten Frau, tagaus, tagein, durch die Straßen zu laufen und ihre Ware anzubieten? Ist es wiederum kontinentaleuropäische Selbstüberschätzung, anderen Kulturen beibringen zu wollen, was das gute Leben ist, ohne das selber so richtig zu wissen?!

Mit Erschüttern stellte ich fest, dass mir mein vierjähriges Wirtschaftsstudium bei der praktischen Frage nach Linderung der Armut keinen Deut hilfreich ist. Aber vielleicht war das auch nicht das Ziel des Lehrplans .

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