Es gibt keine Spekulationsblasen!

Da die ÖBP in diesem Monat „Spekulationsblasen“ zum Thema hat, möchte ich hier mit einigen Missverständnissen aufräumen. Missverständnissen, die in meinen Augen von einer falschen Vorstellung von dem kommen, was man unter „Wert“ zu verstehen hat.


Wikipedia definiert eine Blase folgendermaßen:
„Als Spekulationsblase (häufig auch: Finanzblase; englisch: speculative bubble, economic bubble, financial bubble) wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter (zum Beispiel Rohstoffe oder Lebensmittel), Vermögensgegenstände (Immobilien und Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien oder Anleihen) bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert (auch: Fundamentalwert oder intrinsischer Wert) liegen.“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Somit muss man für die Existenz von Spekulationsblasen von der Idee eines inneren Wertes ausgehen. Unter „Innerer Wert“ schreibt Wikipedia dann:
„Unter dem inneren Wert (englisch: intrinsic value) oder fairen Wert (englisch: fair value) versteht man in der Finanzanalyse, insbesondere der Fundamentalanalyse, den Wert eines Unternehmens oder Wertpapiers, der diesem aufgrund objektiver Bewertungsmaßstäbe beigemessen wird ("angemessener Wert").“ (aufgerufen am 29.April 2013, Links entfernt)
Einen großen Teil meiner zweiten Diplomarbeit habe ich dazu aufgewendet zu erklären, dass es im Wirtschaftsleben keine objektiven Bewertungsmaßstäbe geben kann. Um die Diskussion dort zusammenzufassen: Nach der subjektiven Wertlehre gibt es keinen objektiven Wert mehr. Es gibt keinen Wert, der an den Objekten selber hängt. Werten ist immer subjektiv, ist immer ein Bewerten. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Meter mit dem Lineal messe, oder ob ich einen Preis, einen Wert von etwas schätze! Preise sind nicht messbar. Wären sie es, so könnte man tatsächlich kalkulieren, was denn jetzt der faire, innere Preis eines Gutes ist.

Da Preise jedoch von Angebot und Nachfrage, Verhandlungen und Einkaufs- und Verkaufsverhalten, mithin also von menschlichen Entscheidungen abhängen, welche großteils spontan, manchmal auch frei, teilweise rein rational, oft sogar willkürlich getroffen werden, sind diese nicht kalkulierbar. (Außer man wirft das Konzept des freien Willens über Bord – aber das ist eine andere Geschichte)

Daher gehe ich von der Annahme aus, dass ein innerer Wert nicht existiert. Was existiert, sind einerseits subjektives Bewerten - „Ich schätze den Wert dieses Gegenstandes auf 10€“ – und andererseits Preise – „Wir einigen uns: Du bekommst den Gegenstand und ich den 10€-Schein“. Was nicht existiert ist: „Hey! Ich habe nachgemessen. Der Gegenstand war eigentlich nur 9€ wert!“ – „Du hast Recht. Hier ist dein Euro.“ Preise sind verhandelbar, nicht messbar. (Zumindest ist das in der Marktwirtschaft der Fall. Das heißt nicht, dass nicht Wirtschaftssysteme zumindest denkbar wären, die tatsächlich den physischen Aufwand messen und einbeziehen, um Dinge zu produzieren und zu verteilen…)

Wenn also kein innerer Wert existiert, so ist der Wert eines Wertpapiers immer nur der zuletzt zustande gekommene Preis. Wenn kein innerer, fairer Wert existiert, so kann auch keine Blase existieren, bei der der tatsächliche Preis vom inneren Preis abweicht.



Nun kann man sicherlich Kursverläufe – Preisverläufe – beobachten und im Nachhinein konstatieren, dass der Verlauf eine Blase dargestellt hat. Nach einer Phase des langsamen Wachstums beschleunigte sich dieses. Der Preis stieg sehr schnell an, nur um daraufhin noch schneller wieder zu fallen. Das Einzige, was daran immer überraschend ist, ist dass das Leute immer noch überraschen kann. Man muss sich fragen, ob eine solche Wachstumskurve nicht eher die Norm darstellt, als die Ausnahme. Auf sämtlichen Märkten konnte in der Vergangenheit schon so ein Wachstum beobachtet werden. Wenn ein Preis beginnt, stark zu steigen, dann kann man eigentlich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass er auch wieder stark fallen wird. Das liegt sicherlich daran, dass in der Marktwirtschaft oft pyramidenspielartige Bewegungen ablaufen. Man kauft etwas, weil man Erträge dadurch haben möchte. Man kann jedoch nur einen Ertrag damit erzielen, wenn man jemanden findet, der es teurer abkauft. Das ist bei Aktien so und bei Gold genauso. Der Käufer kauft es zum teureren Preis und sucht dann selber einen Nachkäufer. Das geht so lange gut, bis sich niemand mehr finden lässt. Dann „platzt die Blase“. Lässt sich überhaupt kein Käufer mehr finden, so ist das Ding wertlos. Es gibt niemanden mehr, der ihm Wert zuschreiben würde. Die traurige Erfahrung musste jeder in der Schule schon machen, der ernsthaft mal versucht hat, die ach-so-wertvollen Sammel-Basketballkarten tatsächlich zu verkaufen.

Wenn ich also bei diesem Spiel mitmache, dass ich überschüssiges Geld nicht dazu verwende, um zu konsumieren, sondern versuche, mein „Geld für mich arbeiten zu lassen“ – die ureigenste kapitalistische Angelegenheit – so muss ich damit rechnen, dass Preis irgendwann auch wieder fallen und „Blasen platzen“. Doch das ist weder etwas Außergewöhnliches, noch hat es mit einem objektiven, fairen oder inneren Wert zu tun.

Auf weisen Wegen in Nepal

Auf einem dreiwöchigen Trekking-Trip durch Nepal können einige Weisheiten zutage kommen. Durch das lange kontemplative Dahingehen scheinen einfache Tipps auf einmal auch tiefgründige Bedeutungen erlangen zu können. Ist nicht das ganze Leben eine lange Wanderung? Folgende Dinge habe ich bei meiner kürzlich durchgeführten Annapurna-Umrundung erfahren. Manches davon kann man auch im täglichen Leben anwenden!

1. Drückt der Schuh, dann tue etwas dagegen! Sonst wird es meist noch schlimmer!


Der Weg zwischen Thorung Phedi und High Camp


2. Es ist manchmal verblüffend, wie viel man an einem Tag schaffen kann!



Blick vom Poon Hill
 3. Es kann sinnvoll sein, ein fixes Ziel vor Augen zu haben und darauf zuzusteuern. Hast du es erreicht, so feiere! Mache Pause! Dann suche ein neues Ziel!



4. Auch wenn du den Weg zu deinem Ziel nicht genau kennst: Du wirst ihn finden und kennenlernen!

Brücke auf über 4000 Metern


5. Keine Angst vor den Menschen! Wenn du etwas wissen möchtest, dann frage! Wenn dich jemand ansieht, dann grüße ihn!

Wanna smoke something, my friend?
6. Man gewöhnt sich schnell an neue Situationen. An kalte Duschen zum Beispiel. Oder an 10 Kilo mehr am Rücken.

Gebetsmühlen


7. Besser eine schnelle, zweitklassige Entscheidung treffen, als eine langsame und drittklassige! Vermeide langes Hin- und Her. Triff eine Entscheidung, zieh sie durch und steh dazu!

Das Flussbett hinter Jomsom


8. Die Liebe zu den Bergen ist die reinste!

Gletscher der Gangapurna

Auf dem Weg zum Annapurna Base Camp

9. Für viele scheint das Ziel viel mehr zu gelten als der Weg dorthin. Ins Annapurna Base Camp und das so schnell wie möglich. Nur nicht stehenbleiben. Keinen Blick für die Details am Wegrand. Nur das Ergebnis zählt. So schnell wie möglich. Und vor allem schneller als die anderen! Immer im Wettbewerb. „Wie schnell warst du? Wann und wo bist du gestartet? Wie lange braucht man dahin?“ Nicht: „Wie schön ist es dort? Hast du den Weg genossen?“ Alle laufen um die Wette den Berg rauf und runter. Nur um einmal da gewesen zu sein. Um es erzählen zu können. Chinesen, Amerikaner, Holländer, Deutsche, Japaner. Ich genauso. Was für ein verrücktes Bild für unsere Zeit.

Bei Hongde

10. Genereller Gedanke beim Anblick der Armut: Vielleicht ist Düringers Weg falsch. Vielleicht, und ich sage vielleicht, ist der Weg zurück, aus den Systemen heraus, nicht der richtige. Vielleicht sollten wir doch nach vorne. Aber auf eine andere Art. Eventuell hat doch Eisenstein Recht, wenn er meint, dass der bisherige Weg wichtig war. Das wir nicht zurück in die Steinzeit sollten, sondern schon nach vorne gehen, fortschrittlich sein. Aber anders als bisher?! Fortschritt wohin? Lebensstandard weiter heben? Noch stärkere Vernetzung?

Beim Anblick des einfachen Lebens hier scheinen unsere Lippenbekenntnisse zu einem einfacherem Leben als falsch, als verklärt. Wir träumen vom einfachen Leben und vergönnen den Armen den Aufstieg. Wir vergöttern die Armut und verdammen unseren Fortschritt. Das ist Sozialromantik pur. Wir wollen in Wirklichkeit nicht in die Armut. Wir sollten auch nicht dorthin. Wir müssen den Spagat schaffen: Fortschritt und Fortbestehen. Reichtum und Nachhaltigkeit!

Straße in Kathmandu

Bankrun auch bei Bitcoin möglich?!

Bitcoin wird als die neue Zukunftswährung gehandelt. Erst kürzlich kam es wieder zu enormen Kursschwankungen und dementsprechend auch wieder zu vielen Medienberichten. Von Vielen wird Bitcoin als relativ sicher angesehen und, aufgrund des knapphaltenden Algorithmus mit Gold verglichen.
Was jedoch Viele nicht sehen: Auch bei Bitcoin könnte es bereits fractional-reserve banking geben.


Was passiert bei einem Bankrun? Üblicherweise vergibt eine Bank mehr Anrechte auf Geld, als sie hat. Das nennt man fractional-reserve, weil sie nur einen Teil (Fraktion) der Guthaben tatsächlich bereit hält (Reserve), falls jemand sein Guthaben tatsächlich abheben möchte. Dies ermöglicht es Banken, mehr Kredite zu vergeben, als Geld da ist und auf diese neu geschaffenen ermöglichten Guthaben auch Zinsen zu verlangen. Besonders problematisch ist das, wenn sich die Banken zusammen geschlossen haben und alle so verfahren.

Warum gehe ich davon aus, dass das auch bei Bitcoin passiert? Denken wir an eine Bitcoin-Börse. Es wird Geld von vielen eingezahlt. Andere zahlen ihre Bitcoins ein, weil sie sie verkaufen wollen. Allerdings gehe ich davon aus, dass nicht sofort alle Bitcoins und Euro komplett wieder abgezogen werden. Vielmehr zahlt man Euro ein und hat dann ein Euro Guthaben. Dann kauft man über die Plattform die Bitcoins. Vielleicht überweist man einen Teil tatsächlich zu sich in sein Wallet. Einen Teil sowohl der Bitcoin, als auch des Geldes wird man auf der Plattform liegen lassen. Dies hat selbstredend spekulative Gründe. Wenn der Bitcoin-Kurs stark fällt, will man noch Euros auf der Plattform haben um nachzukaufen. Steigt der Bitcoin-Kurs kurzfristig rapide an, verkauft man seine Bitcoins und hat wieder Euro-Guthaben.

Ich gehe davon aus, dass nicht die gesamten Euro- und Bitcoin-Guthaben auf diesen Plattformen gedeckt sind. Die Börsen wären auch nicht finanziell intelligent, wenn sie so vorgehen würden. Schließlich kann man es auch nicht überprüfen, was die Plattformen mit den eingezahlten Euro und Bitcoin machen. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Börsen nur so viel parat halten, wie durchschnittlich ausgezahlt wird, und mit dem Rest etwas anderes machen. Zum Beispiel auch damit spekulieren. Demnach hätten wir auch bei Bitcoin bereits Guthaben, welche nur teilweise durch Reserven gedeckt sind.

Noch offensichtlicher würde es werden, wenn einzelne Börsen Bitcoin-Kredite vergeben würden. Man könnte gleich Bitcoin-Guthaben verkaufen, die man nie besessen hat, sondern nur geliehen waren. Die aber die Plattform eventuell auch nicht besaß, sondern einfach nur als Guthaben erschuf! Da die Plattformen davon ausgehen können, dass nicht alle geschaffenen Guthaben ausgezahlt werden, insbesondere wenn immer neue Marktteilnehmer eintreten und einzahlen, können sie mehr Guthaben schaffen, als sie tatsächlich Bitcoin in Reserve haben.

Wir sehen also: Auch Bitcoin sind nicht vor Fractional-Reserve und Bankrun gefeit. Es wird, wenn sich Bitcoin weiter entwickeln, nicht lange dauern, bis es möglich sein wird, Kredite aufzunehmen. Wenn sich dann Börsen zusammenschließen und nur noch Bitcoin-Guthaben und Euro-Guthaben gehandelt werden, haben wir die Bankruns vorprogrammiert.

Ebenfalls von mir zum Thema Bitcoin:

Widersprüche der Wirtschaftswissenschaft: Freihandel oder Koordination?

Die moderne Wirtschaftswissenschaft baut auf einigen Prämissen auf. Eine davon ist die Vorstellung, dass Handel immer für beide Seiten gut ist. Wenn zwei Partner oder zwei Gruppen sich auf einen Austausch verständigen, so muss dieses Geschäft für beide Seiten sinnvoll gewesen sein. Sonst hätten sie den Austausch nicht vollzogen. Dies wird oft als Rechtfertigung für den Freihandel angesehen. Den Handel unterbinden bedeute, diese Besserstellung, die ansonsten stattgefunden hätte, ausbleiben zu lassen. Denn Handel hätte die Beiden auf jeden Fall besser gestellt. Natürlich kann man dieses Prinzip selber hinterfragen (z.B.: Ist es im Angesicht des Verhungerns noch eine freie Wahl? Wenn ich mich nur entscheiden kann zwischen Annehmen und Tod, war das dann noch wirklich eine freie Entscheidung? Usw.) Hier möchte ich jedoch dieses Prinzip einmal als gegeben hinnehmen. Das Argument ist also: Wenn sich zwei auf etwas einigen, so stellen sie sich besser. Allen anderen kann das egal sein. 

Nun möchte ich eine zweite Prämisse vorstellen: Das ist die Idee, dass in einer Marktwirtschaft die Preise als Koordinationsfunktion zwischen den Gruppierungen dienen. Wenn die Preise für ein Gut steigen, so werden dort verstärkt die Unternehmen hinwandern. Es werden neue Unternehmen gegründet, welche genau dieses Gut anbieten werden. Durch das höhere Angebot und die neue Konkurrenzsituation werden daraufhin die Preise wieder fallen. Bis zu der Situation (die freilich nie eintrifft), dass ein paar Unternehmen in Konkurs gegangen sind, ein paar aufgekauft und ebenfalls liquidiert wurden, und damit Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind. Auch für den Arbeitsmarkt gelte diese Regel. Wenn in technischen oder wirtschaftlichen Berufen die Gehälter sehr hoch sind, so werden verstärkt Leute sich in diese Richtung ausbilden und auf den Arbeitsmarkt treten, was durch die Konkurrenz dann die Gehälter wieder sinken lässt. Dass jedoch ein Gleichgewicht nie erreichbar ist, weil die Nachfrage auch abhängig vom Preis und der Werbung der Unternehmen ist und ständig schwankt, bzw. weil es auch von der verfügbaren Liquidität, sprich dem Budget der Käufer, abhängt, ob sie sich diese Preise überhaupt leisten können, sei wieder dahingestellt. Aber grundlegend wird angenommen, dass Preise Kommunikationszeichen sind und sich die Leute dementsprechend auch verhalten.

Nun muss man sehen, dass sich Prinzip Eins und Prinzip Zwei widersprechen. Denn jeder private Austausch, jeder Kaufakt, hat Auswirkungen auf die Preise. Immer, wenn sich zwei einigen, so wird ein Preis festgelegt. Somit ist eigentlich kein Austausch privat. Jeder Kauf hat Auswirkungen auf alle anderen Personen und auf die noch kommenden Kaufakte.

Man kann sich zum besseren Verständnis einen Marktplatz vorstellen. Prinzip eins besagt, dass zwei sich auf diesem Markt treffen. Der eine bringt Karotten mit, der andere Geld. Sie einigen sich auf einen Preis, also ein Austauschverhältnis (z.B.: Drei Karotten für 80 Cent), und führen den Austausch durch. Einer trennt sich vom Geld und nimmt zufrieden die Karotten. Der andere braucht die Karotten nicht und freut sich über das Geld. Sie stehen beide besser da als vor dem Tausch. So weit, so schlecht.
Denn jetzt tritt Prinzip zwei auf den Markt. In unserem Beispiel wäre das Austauschverhältnis nicht geheim, sondern sie hätten sich so lautstark unterhalten, dass alle gehört hätten, wieviel der Verkäufer für die Karotten verlangt hätte. Andere hätten das mit bekommen und würden dann auf die Idee kommen, ebenfalls Karotten anzubieten. Schließlich kann man damit gutes Geld machen. Dann betreten sie den Markt als Konkurrenten und bieten sich gegenseitig hinunter. Jeder darauffolgende Kauf und Verkauf bringt neue Preise hervor, die wiederum Auswirkungen haben: Einmal kommen mehr Käufer, einmal mehr Verkäufer, ab und zu geht ein Verkäufer pleite, weil die Preise zu niedrig sind, manchmal kann sich jemand gar keine Karotten leisten, weil sie zu teuer sind. Aber immer sind es individuelle Kaufakte, die alle anderen Teilnehmer beeinflussen.

Wir sehen also, dass eine der beiden Prämissen nicht stimmen kann. Entweder ist Handel immer gut, weil er zwei Individuen besser stellt und auf alle anderen keine Auswirkungen hat. Oder die Preise haben Koordinationsfunktion und somit (gute und schlechte) Auswirkungen auf alle anderen. Entweder Freihandel ist immer gut, oder es gibt diese Koordinationsfunktion. Mit welcher der beiden Prämissen arbeiten wir weiter?

Die ökonomische Ungleichheit IST die Krise...

Das diesmonatige Thema der ökonomischen Blogparade lautet “Ist ökonomische Ungleichheit ein (Haupt?)Grund für die ökonomische Krise”. Dies ist mein Beitrag, der grundsätzlich davon ausgeht, dass die ökonomische Ungleichheit die eigentliche ökonomische Krise IST.

Damit man mich nicht gleich falsch versteht: Gleichmacherei von Ungleichem ist kein heeres ökonomisches Ziel. Klar, wer mehr tut, soll auch mehr bekommen - aus Gründen der Fairness und aus Gründen der ökonomischen Anreize, die Leistung belohnen sollen. In vielen Diskussionen, besonders mit Vertretern der neoklassischen, marktfetischistischen und/oder liberalen Seite des ökonomischen Denkens kommt die Neid-Keule. Wieso sollte nicht einer sehr reich sein und ein anderer verglichen damit sehr arm, wenn es dem Armen trotzdem jedes Jahr ein kleines Stück besser geht? In anderen Worten: Es sei doch egal, dass die Schere zwischen arm und reich auseinandergeht, solange es nur den Armen auch jedes Jahr besser geht. Gute, auf den ersten Blick logische Argumente.

Allerdings gibt es in meinen Augen mehrere entscheidende Gegenargumente gegen eine zu große Ungleichheit:

1) Eines davon kommt schlichtweg aus empirischen Beobachtungen. Die Verhaltensökonomie hat Ungleichheiten im Ultimatumspiel untersucht. Das ist ein Spiel, das man schnell auch mit seinen Verwandten ausprobieren kann, was ich nur empfehle, um eigene Beobachtungen durchzuführen. Der Spielleiter gibt 10 Euro her und sagt dem ersten Spieler, er dürfe dieses Geld teilen nach seinem Ermessen: Wieviel soll er selber bekommen und wieviel der andere? Spieler zwei darf dann wählen: Nimmt der den Vorschlag an, bekommen beide das Geld. Lehnt er ab, bekommt niemand was. Das interessante Ergebnis: Wenn der erste Spieler zu unfair verteilt, lehnt der zweite Spieler meistens ab! Obwohl die unfairste Verteilung ja wäre, das Spieler 1 sich 9,99 € gibt und dem anderen nur 1 cent. Selbst das müsste noch angenommen werden. Denn Spieler 2 ist ja mit 1 cent noch besser dran als mit 0 cent. Trotzdem wird das schon bei einer "besseren" Ungleichverteilung oft abgelehnt. Es ist interessant zu beobachten, dass Spieler 2 auch dann zum Beispiel ablehnt, wenn er 3 Euro bekäme und Spieler eins 7. Die empfundene Unfairness lässt Spieler 2 offenbar denken: Na wenn du so unfair teilst, sollen wir beide leer ausgehen!

So gesehen, und das kann man meiner Meinung nach beobachten, schaffen große Ungleichheiten in der Gesellschaft Unzufriedenheit und schließlich Krise. Bevor du sehr viel mehr hast als ich hau ich lieber unser beider Eigentum zusammen. Das ist das Risiko auch für die reicheren Bevölkerungsschichten, die es dann doch auch mehr in der Hand haben, für eine gerechtere Verteilung zu sorgen: Dass die Armen es als so ungerecht empfinden, dass sie lieber alle ärmer sehen, als diese Ungleichheit. Deshalb is eine große Ungleichheit eine ökonomische Krise, weil es das Sozialgefüge auseinanderdriften lässt und die Chance auf ein mutwilliges Zerstören aller Werte erhöht.

2) Zweitens ist ungleiche monetäre Verteilung auch mit ungleicher politischer Macht verbunden. In Österreich erleben wir gerade ein Paradebeispiel. Der Milliardär Frank Stronach hatte sich aus unerfindlichen Gründen dafür entschieden, in die Politik zu gehen ("Damit Österreich eine gute Zukunft haben wird", nach seinen Worten). Auch wenn tatsächlich, wie mehrmals beteuert, niemals finanzielle Mittel geflossen sein sollen (in Österreich gilt zumindest für reiche Menschen die Unschuldsvermutung) konnte Stronach schon vor jeglicher Wahl so viele Parlamentarier überzeugen in seine Partei überzutreten, dass das Team Stronach schon über Klubstatus im Parlament verfügt. Ohne jemals als Partei mit Programm gewählt worden zu sein. Offensichtlich ist Überzeugungsarbeit als Milliardär um einiges leichter, als wenn man diese Mittel nicht hat, auch wenn kein Geld fließt. Wie gesagt: Unschuldsvermutung. Daher bedeutet Ungleichverteilung auch tiefe demokratische Krise, denn das demokratische Prinzip der gleichen Einflussnahme auf die Politik ist dadurch ausgehebelt.

3) Drittens, wie schon an anderer Stelle beschrieben, scheint es eine Korrelation zwischen Ungleichheit und anderen wirtschaftspolitisch wichtigen Entwicklungen zu geben. Statistisch gesehen ist eine gleichere Verteilung der Einkommen "besser" für alle Bevölkerungsgruppen. Ich bin der Meinung, dass Wirtschaftswissenschaft immer wertet. Daher bin ich der Meinung, dass eine Verbesserung in Themenbereichen wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Drogenabhängigkeit, Gewalt und Verbrechen und Aufstiegs-Chancengleichheit zugleich auch Ziele von wirtschaftlicher Tätigkeit sein sollten. Laut der zitierten statistischen Arbeit stehen Gesellschaften, die gleichere Verteilung haben, "besser" in all den obigen Bereichen da. Unterstellt man dieser Korrelation auch eine Kausalität, so ist eine Gesellschaft in der Krise, wenn die Ungleichheit größer wird. Denn dann sinkt der Lebensstandard für alle. Weitere empirische Arbeiten werden zeigen müssen, ob diese Kausalität wirklich besteht.

Natürlich habe ich hier Krise in einem weiteren Wortsinn als üblicherweise verwendet. Aber ich denke trotzdem, dass auch im engeren Blick auf die Krise obige Punkte zumindest hineinspielen...Wäre die Staatenkrise möglich gewesen, ohne die politische Macht einiger finanziell starker Interessensgruppen? Gäbe es einen solchen Vertrauensverlust in der Bevölkerung, wenn es gleichere Verteilung gäbe? Eine wirtschaftliche Krise ist immer auch eine gesellschaftliche und politische Krise, die meist auch mit Ungleichheiten einhergeht... 

Bedürfnisbefriedigung, Ressourcenknappheit und Welthunger

Was ist überhaupt ein Gut? 

Ein Gut ist ein Etwas, das einen Dienst für mich erfüllt. Ich kaufe mir ein Auto, weil ich wo hin möchte. Ich kaufe mir einen Kochtopf, weil ich kochen möchte. Ich kaufe mir etwas zu Essen, weil ich mein Hungergefühl stillen möchte. Ich kaufe mir Gewand, weil mir kalt ist. Ich miete eine Wohnung, weil ich wohnen möchte. Ich kaufe mir Gold, weil ich denke, es in Zukunft wieder in Geld tauschen zu können und so vorsorgen zu können. Ich kaufe mir eine goldene Uhr, weil ich mir erkaufe, dass Leute sehen, dass ich viel Geld ausgeben kann. Also ist ein Gut zunächst nur eine Bedürfnisbefriedigung oder eine Dienstleistung, die oft an einen Stoff gebunden ist. Es ist ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Ich kaufe den Gegenstand, weil er das und das (Hunger stillen, Transport, Wärme, Prestige,…) für mich leistet. Oder zumindest muss ich glauben, dass der Gegenstand das für mich leistet. Leistet der Gegenstand diesen Nutzen jedoch nicht für mich, so kaufe ich ihn nicht. Und, oft auch beeinflusst durch Werbung, wurde das zugrundeliegende Bedürfnis erst bei mir geweckt – keine Frage.

Nun muss man sehen, dass die selben Bedürfnisse durch unterschiedliche Waren und Wege erfüllt werden können. Das Bedürfnis nach Wärme kann ein Mantel leisten. Ich kann auch drei Pullover übereinander anziehen. Ich kann mich in eine Decke einwickeln. Ich kann aber auch einen Heizstrahler aufstellen oder zuhause die Heizung anstellen. Oder ich kaufe eine Flasche Schnaps, trinke sie und spüre ein Wärmegefühl in mir. Oder ich bewege mich einfach mehr und wärme mich so auf.

Das Bedürfnis nach Ortsveränderung lässt sich durch ebenso viele verschiedene Waren erfüllen. Ich kann ins Auto steigen. Ich kann ein Taxi nehmen. Auch der Zug oder das Flugzeug sind Möglichkeiten. Daneben gibt es noch das Fahrrad, das Schiff, man geht zu Fuß, nimmt den Bus oder gar das Skateboard.

Umgekehrt haben Waren auch für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten. Bei Rohstoffen ist das besonders deutlich. Ob Gold verwendet wird, um in die Zähne eingesetzt zu werden, oder um zum Funktionieren eines Mobiltelefons beizutragen, ob man einen Bilderrahmen vergoldet, weil er schöner aussieht, oder ob man es nur zuhause liegen hat weil man denkt, dass man später wieder Geld dafür bekommen könnte, immer sind es unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten für ein und das selbe Metall und damit unterschiedliche Kaufgründe.

Wird Eigentum überbewertet?

Zugegebenermaßen ist in unserer heutigen Zeit das Eigentum an dem betreffenden Gegenstand sehr wichtig. Wir wollen die Ware für die Bedürfnisbefriedigung. Das Eigentum, das uns die alleinige Verfügungsmacht darüber gibt, scheint das besonders gut zu unterstützen. Ich möchte mit dem Auto transportiert werden, wann ich möchte und mich nicht nach jemandem anderen richten müssen. Habe ich Eigentum über den Gegenstand, so scheint mir das die Sicherheit zu geben, jederzeit das Bedürfnis erfüllen zu können.

In letzter Zeit ist jedoch ein Trend zu beobachten, dass Viele von diesem Eigentumgedanken wieder abrücken und zu Share-Konzepten wechseln. Car-Sharing ist nur eine Variante davon. Der Vorteil: Eigentum kann auch belasten. Ich muss mich darum kümmern. Ich muss es erhalten. Ich muss mich um Neubeschaffung und Entsorgung kümmern. Wenn ich die Dienstleistung des Transportes einkaufe, dann muss ich das alles nicht. Mein Dienstleister ist bemüht, die Kosten zu senken. Er kann leichter neue Modelle zu Verfügung stellen. Er wartet die Fahrzeuge. Er kümmert sich um viele rechtliche Angelegenheiten usw. Die neu aufkommenden Share-Modelle zeigen lassen das Augenmerk wieder weg vom Eigentumgedanken am Gut selber, hin zur Bedürfnisbefriedigung mit Hilfe des Gegenstandes rücken.

Eine Ware kaufe ich also, weil sie ein Bedürfnis befriedigt, und sei es auch nur ein durch Werbung gewecktes Bedürfnis nach Prestige. Die Bedürfniserfüllung selber ist jedoch an keinen besonderen Stoff gebunden. Daher gilt: Ein Mehr an Bedürfnisbefriedigung muss nicht mit einem Mehr an Ressourcenverbrauch einhergehen! Oft ist es so, aber es hängt nicht zwingend zusammen!


Wie ist das mit der Ressourcenknappheit?

Die Vorstellung der Ressourcenknappheit geht davon aus, dass ein Bedürfnis nur durch ein Gut erfüllt werden kann. Wenn mehr Menschen dieses Bedürfnis erfüllen wollen, müssen mehr dieser Güter hergestellt werden. Wenn mehr Menschen das Bedürfnis nach Individualverkehr erfüllt haben wollen, müssen mehr Autos hergestellt werden. Dabei kann genauso gut bereits oben erwähnte Mittel wählen, muss also nicht zwingend mehr Ressourcen verbrauchen. Wirtschaftswachstum ist hier ein irreführender Begriff.

Nur darf man nicht umgekehrt in die Falle tappen zu glauben, Ressourcenknappheit wäre gar kein Problem. Die neoliberale Theorie geht in vielen Punkten nämlich so weit zu sagen, dass eine Verknappung der Ressourcen kein Problem sei, weil dann einfach die Preise für dieses Gut höher würden. Man muss aufpassen, dass man hier nicht Dinge vermischt. Erstens ist ein Zusammenhang zwischen Preisen, welche immer das Geldsystem und damit das Verteilungssystem der Menschen betreffen, und tatsächlicher vorhandener ökologischer Knappheit, nicht eindeutig. Am letzten Tag, bevor der Teich leer gefischt ist, kann noch so viel gefangen werden wie nie zuvor und der Preis für den einzelnen Fisch ist dementsprechend niedrig. Doch am nächsten Tag ist gar kein Fisch mehr da und damit auch kein Preis mehr, weil niemand mehr Fische kaufen kann. Es wäre ökologisch und nachhaltig gesehen fatal zu sagen: Na gut, wenn es keine Fische mehr gibt, erfüllen wir unseren Nahrungsbedarf halt mit Rindfleisch. Klar, das Bedürfnis kann durch ein anderes Gut erfüllt werden. Doch die Auslöschung von Lebensräumen, die Ausrottung von Spezies und das Zunichtemachen wichtiger Ressourcen ist ökologischer Wahnsinn und sollte keinesfalls durch Hinweis auf die Substituierbarkeit des Bedürfniserfüllungsmaterials gerechtfertigt werden. Zweitens bedeutet eine Preiserhöhung, dass Arme durch den Rost fallen. Zu sagen, das wäre egal, sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie sich das Brot nicht mehr leisten können, ist purer Zynismus.

Mehr Umsätze ist nicht gleich mehr Ressourcenverbrauch

Unser Geldsystem zwingt durch seinen Verschuldungszwang zu Mehr. Aber zu mehr Umsätzen. Ich kann Umsätze auf zwei Arten erhöhen: Entweder ich verkaufe mehr, oder ich verkaufe teurer. Aber dieses Mehr kann auch bedeuten, dass ich von mehr Menschen das Bedürfnis befriedige. Dazu muss ich, wie oben erwähnt, nicht unbedingt mehr Ressourcen verbrauchen. Und selbst wenn, dann nicht mehr von der selben Ressource. Mehr Umsätze bedeuten eben mehr oder höherwertige Geldtransaktionen und nicht zwingend mehr Ressourcenverbrauch.

Ein Produkt muss nicht an einen Stoff gebunden sein, weil es nur eine Dienstleistung IST! Ich kann nun die Dienstleistung auch durch Menschen erfüllen lassen. Das ist jedoch klassisch nur ökonomisch sinnvoll, wenn der Mensch an sich nicht teurer ist als die Produktion einer Maschine. Wenn es billiger ist, einen Menschen zu bezahlen der meinen Rasen schneidet, als einen elektrischen Rasenmäher zu kaufen, so ist es finanziell klüger, den Menschen einsetzen. Also kann das Mehr an Umsätzen auch ein Mehr an Dienstleistungen bedeuten.

Welche Bedürfnisse sollen erfüllt werden?

Man sollte immer fragen: Welcher Dienst wird erfüllt? Welche Knappheit wird geschaffen, welche wird behoben? Ist es mir wichtiger, dass ich mich schneller verbinden kann mit immer mehr Menschen? Oder dass niemand mehr an Hunger leidet? Angenommen, uns wäre es wichtig, dass kein Mensch mehr verhungern muss auf dieser Welt. Angenommen, wir würden uns nicht jedes Jahr ein neues Handy besorgen, sondern dieses Jahr darauf verzichten und das Geld in Lebensmittellieferungen in die so genannte dritte Welt stecken. Angenommen, der Umsatz von Apple, Samsung, Nokia , Sony Ericsson und LG ginge komplett in Umsätze von Unternehmen, die Essen an die Hungrigen der Welt gratis verteilen. Das wären insgesamt um die 400 Milliarden USD! Das würde reichen, um die Hungrigen dieser Welt für 36 Jahre zu versorgen. Wir hätten keinen Hunger mehr auf dieser Welt. Aber uns ist es wichtiger, Unterhaltung in Form elektronischer Geräte zu kaufen, als Welternährung.

(Umsatz Apple ~156 000 000 000 USD lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Apple 
+ Umsatz Samsung Electronics ~143 000 000 000 USD lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Samsung_Electronics 
+  Umsatz Nokia ~39 000 000 000 Dollar zum derzeitigen Wechselkurs und lt. http://en.wikipedia.org/wiki/Nokia 
+ Umsatz Sony Ericsson ~5 000 000 000 USD lt. http://en.wikipedia.org/wiki/Sony_ericsson)
+ Umsatz LG Electronics ~48 000 000 000 USD lt. http://en.wikipedia.org/wiki/LG_Electronics
= ~ 400 Milliarden USD

tägliche Kosten für die Ernährung der Hungrigen: ~ 30 000 000 USD/Tag lt. http://www.stopthehunger.com/ zum Zeitpunkt der Artikelerstellung, 

400 Mill. dividiert durch 30 Mio = 13333 Tage = ~36 Jahre!).  

Das Problem ist sicherlich auch: Der Nutzen eines Gutes, der mir zufällt, kann sofort beurteilt werden. Das Handy funktioniert, oder es funktioniert nicht. Wenn ich Essen für jemanden in Afrika kaufe, kann ich schwer bis gar nicht überprüfen, ob es tatsächlich dort ankommt und ob es tatsächlich auf ein Bedürfnis dort trifft, oder ob es überhaupt gewollt war. Die Bedürfnisbefriedigung eines anderen Menschen, und noch dazu wenn er sehr weit weg ist, ist nur schwer zu beurteilen. Dennoch: Wir könnten das Mehr und Schneller, dem unsere Welt nicht zuletzt durch unser Geldsystem unterworfen ist, auch dazu nützen, um den Hunger aus der Welt zu schaffen. Bisher wollten wir das nicht und waren uns dem eventuell gar nicht bewusst. Das Bedürfnis nach Welthungerbeseitigung war uns noch nicht groß genug.

Fazit: 

Ein Mehr muss nicht ein Mehr an Ressourcenverbrauch sein. Insbesondere dann nicht, wenn mehr Waren nur bedeutet, dass mehr Bedürfnisse befriedigt werden und dafür mehr gezahlt wird. Wir müssen uns vom Gedanken verabschieden, dass eine Ware immer nur stofflich gebunden sein muss und unser Augenmerk auf das Bedürfnis richten, das die Ware uns erfüllt. Zu dieser Befriedigung muss ich nicht auf Ressourcen zurückgreifen, sondern kann auch Dienstleistungen effizient verwenden. Voraussetzung ist, dass wir vom Eigentumsgedanken loslassen. Ein Mehr an Umsätzen bedeutet eben nicht, dass mehr der Natur entnommen werden muss. Hier intelligente Lösungen zu finden, ist eine der Aufgaben der Zukunft: Wie kann das selbe Bedürfnis erfüllt werden, ohne dass dabei Abfall, Verschmutzung und Artensterben entstehen? Welche Dienste dann getätigt werden, hängt mit unseren Wünschen und Bedürfnissen und anschließend von unseren Kaufentscheidungen zusammen. Wünschen wir uns dieses Jahr ein neues Handy, oder eine hungerfreie Welt? Diese Entscheidung treffen wir, also du und ich, heute. Und morgen. Und übermorgen.

Mit Kunst zur Geschenksökonomie

Kunstprojekt zur Förderung der Geschenksökonomie:

Mit Stolz kann ich ein Projekt präsentieren, an welchem ich schon seit geraumer Zeit arbeite. Es ist dies ein Kunstprojekt, welches sich mit dem Thema Geschenksökonomie und Kapitalismus mulitmodal beschäftigt.

Spraying

Die Bausteine des  Projekts:


Folgende Bausteine machen es zu einem Gesamtkunstwerk: Die Bilder selber sind Leinwände, die ich besprayt habe. Die Themen der Bilder sind alle in Anspielung an die Verfassung unseres derzeitigen Wirtschaftssystems angelehnt. Als Ort der Aufhängung habe ich gezielt Plätze in der Stadt ausgesucht. Es wurde absichtlich der öffentliche Raum gewählt, um den gesamt-gesellschaftlichen Zusammenhang zu unterstreichen und um auf die faszinierende Idee der Streetart zurückzugreifen. Nicht zu vergessen sind die Texte, die als Erklärung der einzelnen Standorte anzusehen und auch Teil des Kunstwerks sind. Weiters dienen die Fotos von mir und von Freunden der Dokumentation und sind Teil des Projekts. Nicht zuletzt ist dieser Blogeintrag auch eine Form, wie das Kunstprojekt die Verbindung mit dem Cyber-Space als ultimativen öffentlichen Raum zwischen Realität und Virtualität herstellt und die Informationen digital weiter verbreiten soll. Da die Bilder selber auch ein Geschenk an die Öffentlichkeit sind, wurde thematisch mit der Art der Aufhängung eine konsistente Verbindung geschaffen. In diesem Sinne präsentiert sich dieses Gesamtwerk als Denkanstoß für die Geschenksökonomie.

Die Vorgeschichte:

Die Anfänge des Projekts reichen zurück bis zum Jahre 2010. Ich hatte in einem Blogeintrag die Idee einer Lizenz für Geschenke vorgestellt - die Common Property License. Diese sollte dazu dienen, das Konzept der Creative Commons auf die reale Welt zu übertragen und damit die Geschenkswirtschaft auch abseits des Internets lebbar zu machen.


Draft for a common property licence
Konzeptentwurf für die Geschenksökonomie-Lizenz

Die Geschenkslizenz sollte das Verschenken von Gegenständen und ihr Überführen in eine Geschenkswirtschaft ermöglichen und anstoßen. Um diesen Gedanken weiterzuentwickeln, kam ich anschließend auf die Idee, ihn mit diesem Kunstprojekt zu verbinden.

Die Bilder:

Dazu verwendete ich Leinwände, welche ich zu verschiedenen Themen unterschiedlich gestaltete. Ich besprayte sie mit Acryl-Lackfarben.

Material
Material: Leinwände und Acryl-Lackfarben
The work begins
The work begins...

Auf der Rückseite beschriftete ich jedes mit dem jeweiligen Titel und der Geschenkslizenz, verbunden mit den nachdrücklichen Worten "Do not sell!"

CP - Common Property! Do not sell!
Beschriftung der Bilder mit der Common-Property Linzenz

Die Themen: 

Ich wählte meine Sujets nach Themen aus, die meiner Meinung nach mit dem heutigen Kapitalismus verbunden sind. Kapitalismus und
  • Religion
"Window" by Patrick Seabird
"Window" - Das Religionssujet
  • Medien
"TV" by Patrick Seabird
"TV" - als Bild für die Medien
  • Börse
"After Ostojić" by Patrick Seabird
"After Ostojić", welches im Zusammenhang mit der Börse steht
  • Wachstum
"Mine is bigger!" by Patrick Seabird
"Mine is bigger" für den Glauben an ewiges Wachstum
  • Vergänglichkeit
"More" by Patrick Seabird
"more" steht für die Vergänglichkeit
  • Zukunftsgläubigkeit
"Die Zukunft existiert nicht!" by Patrick Seabird
"Die Zukunft existiert nicht" für den Fortschritts- und Zukunftsglauben
  • Transport
"U" by Patrick Seabird
"U" für den Transport
  • Technik
"Sparks" by Patrick Seabird
Sparks - Zum Thema Technik
Die Namen der Bilder stehen jedoch eng in Zusammenhang mit dem jeweiligen Ort, wo ich sie aufhängte...

Die Stadt ist mein Museum:

Um diese Bilder nun wirksam zu verbreiten, machte ich sie zu einem Geschenk an die Öffentlichkeit. Ich nutzte einfach die Stadt als Museum. Interessant im Zusammenhang mit Streetart ist, dass sie sich erstaunlich gut in die Funktionsweise unseres kapitalistischen Systems einbettet, wie ich ebenfalls schon einmal beschrieben habe. Bei Streetart wird zudem oft kritisiert, dass sie nur Vandalismus sei. Es werden  Hauswände angeschmiert - den künstlerischen Aspekt und die Beweggründe dieser Kunstform wollen oft nur die wenigsten wahrhaben. Ich wollte diesem Kritikpunkt begegnen, indem ich tatsächlich Bilder in der Öffentlichkeit aufhängte. Denn von einigen Zeitgenossen scheint Kunst nur Kunst zu sein, wenn sie wirklich auf Leinwand aufgetragen wird. Doch warum soll ich diese Leinwände dann nur in Galerien oder Museen hängen? Ist nicht ein entscheidender Punkt der Kunst, dass sie für die Freiheit steht und sich gerade nicht in diese institutionellen Rahmen drängen lassen sollte, insbesondere wenn das Projekt gerade die Geschenkswirtschaft promoten sollte? So machte ich kurzerhand die Stadt zu meinem Museum und hängte die Bilder in der Öffentlichkeit auf. Die Orte wurden so gewählt, dass sie mit dem jeweiligen Bild in Zusammenhang stehen. Somit wird der Ort selber auch Teil des Kunstwerkes. Sehen wir uns an, wo und warum ich die jeweiligen themenspezifischen Bilder aufhängte: 

Religion:



Window Window
Kapitalismus kann als die neue Religion unserer Zeit gesehen werden. Der Glaube ans Wirtschaftswachstum und an das erreichbare Paradies auf Erden über den Reichtum an weltlichen Gütern dominiert unsere heutige Welt. Umgekehrt kann auch die Kirche als eines der erfolgreichsten Unternehmen der Geschichte bezeichnet werden. Kirchen sollen dabei ein Fenster zu Gott darstellen. Dementsprechend habe ich das Bild "Window" als Geschenk vor der ältesten Kirche Wiens aufgehängt. Damit soll die Verbindung zwischen Glaube, Kapitalismus und Kirche aufgezeigt werden.

Medien:

"TV" by Patrick Seabird 
Das Bild "TV" konnte ich in der Nähe des staatlichen Fernsehsenders ORF hinterlassen. Diesen Ort habe ich gewählt, weil ich denke, dass die Medien einen nicht unerheblichen Beitrag zur Formung der Konzeption unserer Welt beitragen. Einerseits über die Auswahl der Themen, welche präsentiert werden, andererseits auch über die Propagandafunktion der Werbung. Die Medien sollen uns zeigen, was wir konsumieren können, wie wir leben wollen und was überhaupt Lebensperspektiven darstellen. Durch ihre weite Verbreitung haben sie einen direkten Einfluss auf die Gestaltung unseres Wirtschaftslebens. Der ORF steht hier als größter Sender außerdem für die Verwicklung staatlicher Institutionen mit Privatwirtschaft.

Börse: 

After Ostojić 3 After Ostojić 4 After Ostojić 2

"After Ostojić" kann auf eine längere Ideengeschichte zurückblicken. Es basiert auf einer Arbeit von Tanja Ostojić mit dem Titel "After Courbet". In der Wikipedia kann man dazu folgendes lesen:
"Tanja Ostojić wurde Ende Dezember 2005 schlagartig europaweit durch die EU-Unterhose bekannt. After Courbet ist eine Persiflage auf Gustave Courbets Der Ursprung der Welt. Ostojićs Fassung zeigt ihren eigenen Schoß, photographiert von David Rych , jedoch bekleidet mit blauer Unterhose samt Europa-Sternen. Das Plakat sollte ironisieren, dass auswärtige Frauen in Europa nur dann willkommen sind, wenn sie den Slip fallenlassen. Neben einigen anderen Werken war dieses Plakat aus einer laufenden Kunstausstellung ausgewählt worden, um im öffentlichen Raum für Österreichs EU-Präsidentschaft zu werben. Die Wiener Kronenzeitung fabrizierte daraus einen handfesten Skandal, empörte sich über aus Staatsmitteln finanzierte Pornographie und sorgte sich um das Ansehen Österreichs in der Welt. Verunsicherte Politiker aller Parteien sprangen auf – mit der Folge, dass die Plakate wieder abgehängt wurden. Seitdem trägt dieses Bild, das ohne Titel im Jahr 2005 schon mehrfach gezeigt worden war, den inoffiziellen Namen Die EU-Unterhose."
Ich beschloss, in diesen Dialog einzusteigen und wiederum auf Ostojićs Werk aufzubauen. Denn ihr Werk war ein gutes Beispiel dafür, wie die finanzielle Interessen und die damit verbundene Suche nach einem guten Ruf korrumpieren können und schließlich zu Zensur in der Kunst führen können. Deshalb ist das Bild auch in dem Käfig gefangen. (Auffallend hier: Zusammen mit einem Baum! Warum werden Bäume in Käfige gesperrt? Oder sind gar wir die Eingesperrten, ausgesperrt von Natur und Kunst?!)

Der gewählte Ort ist zusätzlich interessant. Gleich hinter dem Bild sieht man das Gebäude der alten Wiener Börse. Und neben diesem steht ein neues Gebäude, das "Haus der europäischen Union". Dieser Ort fasst viele Punkte gut zusammen: Die Nähe von hoher Politik und Finanzmarkt, die Zensur von Kunst mit dem Gedanken eines guten Rufs, die Blindheit für natürliche Prozesse und der damit verbundenen begrenzten eigenen Freiheit. All diese in unserem Wirtschaftssystem nahe beinander liegenden Dinge kumulieren symbolisch an diesem Ort. Durch die Positionierung meines Bildes konnte ich diesen Zusammenhang noch unterstreichen

Wachstum: 

Mine is bigger 2
Mine is bigger 9 
Dieses Bild trägt den Titel "Mine is bigger" - Meiner ist größer! Ich habe es am Alberner Hafen aufgehängt, direkt vor einem brillianten Streetart-Piece vom berühmten Künstler BLU. BLUs Kunst zeugt von seiner Größe, sowohl inhaltlich, als auch in der Umsetzung. Das Bild von BLU ist enorm, aber "mine is bigger"! Das spannende an meinem Bild: Eigentlich wollte ich schematisch einen Penis darauf abbilden, als Symbol des Wettbewerbs um Größe und Macht in einer patriachalisch organisierten Gesellschaft (was sich auch in den immer größer werdenden Streetart-Bildern zeigt...). "Wie groß ist deiner? Wieviel Geld hast du?" Als ich das Bild jedoch einigen weiblichen Wesen zeigte, sahen diese einen Frauenkörper darauf abgebildet. Was hast du zuerst gesehen?

Vergänglichkeit:

"More" by Patrick Seabird
"More" by Patrick Seabird 2
"More" by Patrick Seabird 3 
Das Bild "Vergänglichkeit" soll uns daran erinnern, dass, obwohl wir immer mehr haben, all dies auch wieder vergeht. Hier bin ich wiederum in den Streetart-Dialog eingestiegen. Ich sah für einige Zeit jedes Mal, wenn ich mit der U-Bahn fuhr, ein Piece an dieser Wand. Es war vom Künstler mit dem Pseudonym Ripo und bestand aus dem Satz: "Less is more" - weniger ist mehr. Irgendwann wurd das "more" übersprayt. Ich dachte zuerst, ich wollte diesem Piece noch Tribut zollen, indem ich stylistisch mich an sein Werk anlehnte und das "more" wieder dort anbringen wollte - ein Unterfangen, das sich als sinnlos herausstellte - Vergänglichkeit ist nicht aufhaltbar. Denn schon kurze Zeit später ist das gesamte Werk übermalt gewesen. So ist mein Bild nur ein stummer Zeuge dessen, was früher dort war. So, wie man heute noch Spuren alter Zivilisationen findet, die bereits vom westlichen System vollends aufgesogen wurden.

Zukunftsgläubigkeit:


"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird
"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird
"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird

In Wien wird gebaut. Immobilienbaustellen, wohin man sieht. Es manifestieren sich hier zwei Glaubenssätze: Erstens der Glaube daran, dass Immobilien eine sichere Anlage sind. Die verlieren nicht an Wert und da hat man was handfestes. Das ist dahingehend ein Irrglaube, dass eine Immobilie, die keiner verwendet und keiner kaufen möchte, auch nichts wert ist. Es ist der Irrglaube an einen Wert außerhalb menschlicher Bewertung. Zweitens ist es der Glaube an ein zukünftiges Wachstum. Die Hochhäuser wachsen immer mehr in die Höhe, sie schießen wie die Schwammerl aus dem Boden. Aber existiert diese Zukunft wirklich? Ich verstehe nicht, wer diese ganzen Büros, die momentan in Wien entstehen, einmal brauchen wird. Deshalb habe ich diesen Standort für mein Bild "Die Zukunft existiert nicht" gewählt. Im Hintergrund wird gerade das höchste Gebäude Wiens, die DC Towers, errichtet. Wann platzt die Wiener Immobilienblase und damit die Zukunftsträume ihrer Besitzer?

Transport:


U

Für das Funktionieren unseres Wirtschaftssystems sind wir von guten Transportwegen und -Mittel abhängig. Sowohl, um die Güter weltweit zu verteilen, als auch um uns Menschen zu den entfernten Arbeitsplätzen und Produktionsstätten zu führen. Die U-Bahn ist dieses Mittel, um jeden Morgen um 7 Uhr früh hunderttausende Menschen zu ihren Einkommensstellen zu führen - unter der Erde und damit so schnell wie möglich. Ich habe mich, wenn ich mich zufällig einmal um die frühen Morgenstunden totmüde mit den Massen in die überfüllten Züge gequetscht habe, schon immer gefragt, was für ein komisches System wir uns da aufgebaut haben. Was mich jedoch immer noch mehr überrascht hat, war dass offenbar den anderen Menschen dieser Irrsinn nicht auffiel. Für sie scheint es normal zu sein, sich aus dem Bett zu quälen und dann in eine beliebige Arbeit zu fahren, die nur Mittel für ein Einkommen für sie ist. Dementsprechend wollte ich mich bei diesem Bild an der Ästhetik des U-Bahn-Logos orientieren. Trotz aller Kritik steht die U-Bahn auch für die technische Leistungsfähigkeit der Menschen: Züge, die unter der Erde fahren! Womit wir auch schon beim letzten Bild angelangt sind:

Technik


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Verbunden mit unserer Zukunftsgläubigkeit ist auch unser Glaube an die Technik. Mittels Technik soll alles lösbar sein. Oft dient die Technik auch der Beschleunigung menschlicher, gesellschaftlicher Veränderung. Unsere Möglichkeiten, Werkzeuge einzusetzen, haben sich heute exponentiell beschleunigt. Gleichzeitig ist heute die Technik auch unsere größte Gefahr geworden. Die Waffenarsenale der Welt reichen aus, um alle per Knopfdruck für immer ins Jenseits zu befördern. Atomkraftwerke der ganzen Welt stehen als tickende Zeitbomben mitten in gesellschaftlichen Ballungszentren. Jedes Werkzeug kann auch als Waffe eingesetzt werden, wenn man es richtig verwendet. Steigt die Wirkungsfähigkeit unserer Werkzeuge, steigt auch das Zerstörungspotenzial! Das Bild "Sparks" zeigt Strukturen, welche denen eines Schaltkreises ähneln. Ich habe dieses Bild beim Gebäude der technischen Universität platziert, um die Verbindung von technischer Entwicklung, welche immer schneller abläuft und dem diesen Wachstumsprozess auslösenden zwischenmenschlichen System Kapitalismus und der jedoch auch damit verbundenen wachsenden Zerstörungskraft aufzuzeigen.

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Fazit: 

Dieses Kunstprojekt ist sowohl multithematisch, als auch multimodal zu sehen. Doch holistisch betrachet (eine Betrachtungsweise, die uns in unserer spezialisierten Welt nur allzu oft fehlt) sieht man, dass alles irgendwie zusammenhängt. Die Themen sind allesamt wirtschaftlicher Natur: Angefangen von der Geschenksökonomie. Ich denke, dass wir in Zukunft in unserer zusammenwachsenden Welt immer mehr Geschenke und Leistungen ohne Gegenleistung sehen werden. Die Verwirrungen unseres auf Gier und Neid aufgebauten Wirtschaftssystems werden wir bald hinter uns lassen. Das müssen wir sogar, wenn wir nicht weiter in Richtung physischer und psychischer Untergang arbeiten wollen. Daher waren meine Bilder, die Fotos und auch dieser Text ein Geschenk. Die Platzierung der Bilder in der Öffentlichkeit, verbunden mit der Common-Property Lizenz sollten ein Anstoß für die Geschenksökonomie sein.
Die Orte, die ich dann wählte, waren alle so gewählt, dass sowohl vom Ästhetischen, als auch thematisch ein Gesamtbild entsteht. Jedes behandelt einen anderen Aspekt des Kapitalismus, ob Zukunftsgläubigkeit oder die Verbindung zwischen Kapital und politischer Macht.
Schließlich ist es als Gesamtkunstwerk zu sehen. Nicht nur die Bilder sind zu betrachten, sondern auch die Einbettung in den Text, verbunden mit den Fotos und über das Medium Internet mittels Blogeintrag verbreitet.
So habe ich versucht, einen roten Faden durch sämtliche Medien- und Gedankenstränge zu ziehen. Und wer weiß, vielleicht findest du mal eines meiner Bilder?

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, kann gerne das gesamte Album hier ansehen,
oder auch unter diesem Link

Wasserprivatisierung und Freiheit

Es gibt einen Aufschrei in der Internetgemeinde: Die Europäische Union plant, die Wasserversorgung zu privatisieren. In diesem Video sieht man eine gute Zusammenfassung dieses Prozesses:

Zur Erinnerung: Privatisierung bedeutet, dass Staatsaufgaben ausgelagert werden und von da an von privaten Unternehmen ausgeführt werden sollen. Es bedeutet weiterhin, dass die Kontrolle über diese Ressourcen nicht mehr in der Hand unserer demokratisch gewählten Vertreter liegt, sondern in den Händen von Privaten. Die Diskussionen über Privatisierungen werden meist ideologisch geführt. Wieviel soll der Markt regeln? Was soll staatlich, zentral verwaltet werden?
Argumente gibt es auf beiden Seiten. Oft ist es nicht ganz klar, ob es tatsächlich Argumente oder nur auf direkter oder indirekter Bestechung beruhende Meinungen sind. Hat der Verfechter dieses oder jenen Arguments wirklich das Allgemeinwohl im Sinn, oder denkt er nur an sein Privatwohl und damit an das seiner Geldgeber? Privatisierung des Wassers ist ein dankbares Thema, bei dem man grundlegendere Gedanken über Wirtschaft anstellen kann.

Man kann die beiden wirtschaftspolitischen Standpunkte traditionell in Links und Rechts einteilen, wobei es selbstredend auch da Grauabstufungen gibt. Um die politischen Begriffe zu vermeiden, kann man auch von sozialistischen und liberalen Ideen sprechen. Sämtliche dieser Begriffe sind vorbelastet und werden beim Leser unterschiedliche Vorstellungen hervorrufen. Grob kann man es folgendermaßen unterscheiden: Linke Wirtschaftspolitik möchte Wirtschaft gemeinschaftlich regeln. Rechte hingegen zielt auf dezentrale Entscheidungsstrukturen oder anders formuliert: auf durch den Markt geregelte. Privatisierungen sind damit generell eher ein Wunsch der rechten Wirtschaftspolitik. Da ich das Gefühl habe, dass in den meisten von mir geführten Diskussionen die linke Einstellung vorherrscht und diese weitreichender bekannt ist, möchte in diesem Post auf die Argumente der Rechten eingehen.

Zuallererst: Die Theorie der rechten Wirtschaftspolitik ist selbstredend nicht homogen aufgestellt. Schauen wir uns einmal Extremstandpunkte an. Exemplarisch möchte ich den Friedman-Clan herausgreifen und bei Milton Friedman anfangen. Milton Friedman war ein Freund des freien Marktes. In seinem Buch "Capitalism and Freedom" zieht er die folgende Linie: ein freies Wirtschaftsystem (wobei "frei" hier "frei von staatlichen Regeln" heißt) und ein freies politisches System gehen Hand in Hand - so die Theorie, welcher sich Libertäre gerne bedienen. Ob diese Position nach der Erfahrung der wirtschaftspolitischen Entscheidungen Chinas oder Vietnams, welche Ellbogenkapitalismus und Freiheit der Großindustrien mit staatlicher Unfreiheit inklusive Zensur und Einparteienstaat geschickt kombinieren, noch empirisch haltbar ist, sei einmal dahingestellt. Friedmans Theorien dürften aufgrund seines Nobelpreises international bekannt sein. Weniger bekannt dürften die Theorien seiner Nachfolger sein.

Der Sohn des berühmten Chicago-Ökonomen Milton Friedman ist nämlich David D. Friedman. In dessen Buch "The Machinery of Freedom" geht er schon um einiges weiter als sein Vater. Er beschreibt hier, wie eine anarchokapitalistische Gesellschaft möglich wäre. Im Anarchokapitalismus gibt es keine staatliche Macht. Sämtliche Regeln, ob es nun Gesetze oder Rechte sind, werden nur von den Menschen untereinander ausgemacht. Schulen, Universitäten, das Gesundheitswesen, ja sogar sämtlicher Straßenbau sollten von Privaten erledigt werden. Man findet auch Argumente für die Wasserprivatisierung:
"The consequence for my life expectancy of being deprived of food, water, or air may be a matter of biological fact. The value to me of living is not. Staying alive is, for most of us, highly desirable, but it is not infinitely desirable. If it were, we would be willing to sacrifice all other values to it. Every time you smoke a cigarette, every time I drive a little too fast, we are knowingly offering life—a little bit of life, a very small chance of dying now or a large chance of not living quite as long—for a rather minor pleasure." (Quelle)
Somit wird nicht negiert, dass man Wasser zum Überleben braucht. Aber negiert wird, dass das Überleben ein Ziel eines jeden Menschen sei. Ob das reiner Zynismus oder tatsächlich ernst gemeinte Wirtschaftstheorie ist, muss der Leser selber entscheiden.
Es gibt jedoch noch andere interessante Argumente für den Kapitalismus generell. Besonders das Kapitel "Exploitation and Interest" regt zum Nachdenken an und ich möchte es deshalb hier noch ausführlich behandeln:
"'Exploitation' is a word often used but rarely defined. In its most literal meaning—I 'exploit' you if I in some way benefit from your existence—it is the reason human society exists. We all benefit from one another's existence. We all exploit each other. That is why we associate with each other. But as the word is usually used, it carries the implication of one person benefiting by harming another, or at least of one person's benefiting unfairly, at the expense of another. This usage may derive from Marx's theory of the exploitation of labor. Whether or not that is its origin, by rebutting this theory I can answer one of the most frequent charges of 'exploitation' made against capitalism and capitalists. Marx argued as follows: Goods are produced by workers using tools (machines, factories, and so forth). The tools were themselves made by earlier workers. All production is done by workers, either current workers or past workers. But the capitalist claims some of the return from the production. His justification is that he has provided the tools; this is invalid since the tools were actually produced by previous workers. The capitalist who, having contributed nothing to production, takes part of the product is obviously stealing from—exploiting—the real producers, the workers.

The trouble with this argument is that it does not recognize that paying for tools today and waiting for years to get the money back is itself a productive activity, and that the interest earned by capital is the corresponding payment. Consider a specific situation. A factory built during 1849 produces from 1850 to 1900. Having cost $1 million, it generates for its owner an income of $100,000 a year. This, according to Marx, is either wealth produced by the workers who built the factory, which should go to them, or wealth stolen from the workers working in the factory, who in that case are being paid less than they really produce. Assume that the workers who built the factory were paid $1 million, the total cost of building it. (For simplicity's sake I will ignore other costs of construction. According to Marx, such costs ultimately can be traced back to the cost of the labor of other workers at an earlier time.) The money provided by the capitalist will be returned to him in the first ten years. After that the income is, from the Marxist standpoint, pure exploitation. This argument depends on regarding the $1 million paid in 1849, when the work was done, as being 'equal' to $1million received over the next decade. The workers themselves would not agree with this. They would hardly have done the job if they expected to wait ten years for their pay. If they had been willing and able to work on those terms, the capitalist would indeed have been superfluous; the workers could have built the factory themselves, working for free, received their pay over the next ten years, and continued to receive it for forty years more. It is the function of the capitalist to pay them wages in advance. If he were not available to pay them, the factory would not be built and the goods would not be produced. He himself bears a cost, since he too would rather have the money to do with as he wishes in 1850, instead of having it tied up and released slowly over a period of time. It is perfectly reasonable that he should receive something for his contribution." (Quelle ebenda)
Dies ist eine Stelle, die argumentativ schwer zu widerlegen ist. Zwei Punkte seien nur kritisch angemerkt. Erstens der Satz "That is why we associate with each other.". Denn damit ist unterstellt, dass man sich auch anders entscheiden könnte. Man könne sich zu einem Zeitpunkt des Lebens entscheiden, nicht mehr von der Gemeinschaft zu profitieren und auszusteigen. Dies ist jedoch nur schwer bis gar nicht möglich. Sämtliche Landflächen gehören schon jemanden. Möchte man sie benutzen oder sich auch nur auf ihnen aufhalten, muss man schon mit dem Eigentümer kooperieren. Wenn man das nicht tut, so bekommt man immer Probleme. Man denke nur an die Probleme, denen fahrendes Volk oder Obdachlose ausgesetzt sind.Warum haben wir es also überhaupt mit anderen Menschen zu tun? Weil wir es müssen, wenn wir leben wollen.

Zweitens muss man sich die Stelle mit der Verteidigung des Kapitalisten ansehen. Die entscheidende Frage lautet doch: Wie kam er zuallererst an die Stelle, so viel Kapital zu besitzen? Wie kam er an so viel Kapital, im Jahr 1850 die Fabrik aufzubauen? Er selber konnte sicher nicht so viel erarbeiten, denn dann hätte er ja die Fabrik selber alleine aufbauen müssen. Somit - und hier liegt der blinde Fleck vieler liberalen Wirtschaftstheorien - wirtschaften wir immer im Kollektiv. Wir handeln immer in Zusammenarbeit mit anderen. Niemand (außer vielleicht ganz vereinzelte Einsiedler - jedoch das auch nur bis zum Zeitpunkt ihres Todes) arbeitet und produziert komplett alleine. Als Mensch kann man gar nicht anders. Wer dann wieviel Macht und wieviel des erarbeiteten Reichtums bekommt, ist immer eine Verteilungsfrage und damit eine politische Frage. Obige Argumentation stellt sich eben auf die Seite des Kapitalisten und spricht ihm die Legitimation der Macht zu. Man kann natürlich auch andere Standpunkte annehmen. Privates Wirtschaften verschiebt die Machtverhältnisse zu einzelnen Eigentümern und weg von zum Beispiel demokratisch gewählten Vertretern. 

Friedman schlägt in seinem Buch auch zum Beispiel vor, dass auch die Rechtssprechung und -Durchsetzung privatisiert wird. Wie soll das ablaufen?
"Suppose, then, that at some future time there are no government police, but instead private protection agencies. These agencies sell the service of protecting their clients against crime. Perhaps they also guarantee performance by insuring their clients against losses resulting from criminal acts." (Siehe unter POLICE, COURTS, AND LAWS—ON THE MARKET)
Friedman denkt dann den Diebstahl eines Fernsehers durch:
"I come home one night and find my television set missing. I immediately call my protection agency, Tannahelp Inc., to report the theft. They send an agent. He checks the automatic camera which Tannahelp, as part of their service, installed in my living room and discovers a picture of one Joe Bock lugging the television set out the door. The Tannahelp agent contacts Joe, informs him that Tannahelp has reason to believe he is in possession of my television set, and suggests he return it, along with an extra ten dollars to pay for Tannahelp's time and trouble in locating Joe. Joe replies that he has never seen my television set in his life and tells the Tannahelp agent to go to hell. The agent points out that until Tannahelp is convinced there has been a mistake, he must proceed on the assumption that the television set is my property. Six Tannahelp employees, all large and energetic, will be at Joe's door next morning to collect the set. Joe, in response, informs the agent that he also has a protection agency, Dawn Defense, and that his contract with them undoubtedly requires them to protect him if six goons try to break into his house and steal his television set.
The stage seems set for a nice little war between Tannahelp and Dawn Defense." (Quelle ebenda)
Aber Kriege wären zu teuer für die beiden Unternehmen, weshalb sie sich auf eine andere Vorgehensweise einigen würden. Die Lösung ist also für beide: "In practice, once anarcho-capitalist institutions were well established, protection agencies would anticipate such difficulties and arrange contracts in advance, before specific conflicts occurred, specifying the arbitrator who would settle them." (Quelle ebenda)

Und wer würde die Gesetze machen? "There could be competition among different brands of
law, just as there is competition among different brands of cars. In such a society there might be many courts and even many legal systems." (Quelle ebenda) Es würden gesetzgebende Institutionen miteinander im Wettbewerb stehen und sich demnach automatisch unter freien Individuen gute Gesetze ergeben.

Friedmans Buch ist, denke ich, wirklich ernst gemeint. Es ist spannend zu lesen und ein interessantes Gedankenexperiment. Was dem Sohn des Nobelpreisträgers jedoch nicht aufzufallen scheint, ist dass er nur unsere Welt beschreibt. Betrachtet man unsere ganze Erde, so haben wir hier kein übergeordnetes politisches System. Die Welt ist eine anarchokapitalistische. Sämtliche Gesetze und staatliche Institutionen werden nur durch Menschen auf dieser Welt "ausgemacht". Wer wissen möchte, was passiert, wenn man Friedmans Gedankenspiele im großen Maßstab ausprobiert, der muss sich nur unsere Welt ansehen. Hier haben sich Individuen zusammengeschlossen. Sie haben Gesetze gemacht. Sie haben Eigentum über manche Erdteile aufgeteilt untereinander. Sie haben auch Kriege geführt und tun das noch. Sie entscheiden täglich darüber, ob ihre Gesellschaften weiterhin so existieren sollen. Friedmans Anarchokapitalismus klingt spektakulär, ist jedoch nur eine Bestandsaufnahme unserer Welt.

Der Sohn von David D. Friedman wiederum ist Patri Friedman. Patri Friedman ist zur Zeit damit beschäftigt, Arbeitsplätze auf hoher See, außerhalb der international festgelegten Grenze von 200 Seemeilen, aufzubauen. Die Idee, Seasteading genannt, ist folgende: Man ankert beispielsweise ein Schiff vor der Küste Amerikas. Da es außerhalb des Hoheitsgebietes ist, kann man sich für seine Gesetzgebung ein Land seiner Wahl aussuchen, welches eine laxere Regulierung hat. Durch die Nähe zum Festland kann dann leicht hin- und hergependelt werden. Das ganze dient dem Ausflaggen und eigentlich nur dem Umgehen staatlicher Begrenzungen.

Durch die ganze Friedman Familie zieht sich somit eine Kritik an staatlicher Verwaltung und Einschränkung der Freiheit. Diese Einschränkung bedeutet immer Zwang. Inwieweit Zwang in einer Gesellschaft notwendig ist, wird somit zur spannendsten wirtschaftspolitischen Frage. Denn eines muss klar sein: Freiheit bedeutet auch Freiheit des Arschlochs. Der Kabarettist Alfred Dorfer bringt das in diesem Video auf den Punkt:

In einem komplett freien System kann man jemanden verhungern lassen, obwohl man selber mehr als genug zu essen hätte. Ein soziales System zwingt manche zur Abgabe eines Teils ihres Reichtums, damit andere zumindest genug zu Essen haben. In den europäischen Sozialstaaten hat das auch sehr lange gut funktioniert. Da wir, wie beschrieben, auf unserem Planeten gesamt gesehen jedoch ein anarchokapitalistisches System haben, verhungern dementsprechend jedoch auch viele Menschen, während andere im Überfluss schwelgen.

Die Ideologie der Friedman-Familie wurde stark von den Theorien Friedrich Augusts von Hayek beeinflusst.
Nicht spätestens seit Hayeks Veröffentlichung des Buches "Der Weg zur Knechtschaft" im Jahre 1944 wird von rechter Seite auf die Gefahr von staatlichen Aktionen hingewiesen. In diesem Buch beschreibt Hayek, dass sowohl Nationalsozialismus, wie auch Sozialismus oder Kommunismus gemeinsame ideologische Wurzeln hätten und demnach zu ähnlichen Ergebnissen führen. Denn bei beiden würde ein starker Staat gefordert. Immer wenn Worte wie "Gemeinwohl", "holistisch" oder "Gemeinschaft" fallen, müsse man vorsichtig sein. Denn, so die Argumentation, eine gemeinschaftliche Verwaltung führe immer zu Machtkonzentration. Das Argument ist hier wieder die Freiheit. Es fällt in der Diskussion auf, dass oft verschiedene Argumente vermischt werden. Die einen pochen auf die Freiheit, die anderen auf den Effizienzgedanken. Die Behauptung lautet: Dezentrale Strukturen seien meist effizienter, zentralistische Wirtschaft führe immer zu einer Fehlallokation. 

Bei der DDR sah man, dass diese Prognose Hayeks sehr richtig war. Totale Überwachung und Unfreiheit des Einzelnen waren dort die Folgen des kollektiven Kontrollwahns. Viele, in den 1940er Jahren von Hayek beschriebene Entwicklungen trafen erstaunlich genau auf die DDR der 80er Jahre zu. So gesehen muss man Hayek doch danken. Die Gefahr von Totalität schwebt immer über uns, auch wenn man einwenden muss, dass es in kapitalistischen Gesellschaften ebenso zu enormen Machtkonzentrationen kommen kann. Man muss sich überlegen, ob die Forderung des Laissez-faire in einem gut funktionierenden demokratischen System noch Sinn macht, oder nur vor einem absolutistischen oder totalitären Staatssystem Legitimität besitzt. So gesehen könnte man auch, wenn man an das Gemeinwohl denkt, an einem besseren Funktionieren der Demokratie arbeiten...
Beim Thema Demokratiedefizit und Machtkonzentration schließt sich wieder der Kreis zum Thema Wasserprivatisierung und EU.

Die Frage nach der Privatisierung des Wassers ist vor dem Hintergrund dieses ewigen Ideologiestreites zwischen Links und Rechts zu sehen. Rechte pochen immer auf das Thema Freiheit und übersehen jedoch dabei, dass komplette Freiheit auch immer bedeutet, andere verdursten lassen zu können. Ich habe hier einige Argumente der Liberalen herausgegriffen, um auch diese Argumentation einmal zu beleuchten. Die Diskussion über Zentralismus und staatliche Versorgung oder marktwirtschaftliche kann bei jedem Ding, bei jedem Produkt und bei jedem menschlichen Akt geführt werden. Die Rechten haben Recht, wenn sie vor zu starker Machtkonzentration des Staates warnen. Beim Wasser gehen halt sprichwörtlich die Wogen hoch und das vielleicht nicht ohne Grund. Rechten Theoretikern müsste doch auffallen, dass es bei manchen Themen mehr Widerstand gibt und im Gegensatz dazu bei manchen niemand bestreitet, dass es der Freiheit der Einzelnen überlassen sein sollte, ob sie mit dem entsprechenden Gegenstand handelt oder nicht. Geht man sehr weit nach rechts, so kommt man zu David D. Friedmans Punkt, welcher wiederum eben die heute vorherrschende Misswirtschaft bedeutet: Enormer Reichtum auf der einen Seite, Verhungern und Verdursten auf der anderen.

Bei der Privatisierung des Wassers muss man sich zusätzlich über folgende Dinge im Klaren sein: Wasser fällt vom Himmel. Es kommt aus Quellen im Boden und wird nicht von Menschen erzeugt. Demnach kann ursprünglich niemand ein besonderes Anrecht auf das Wasser generell haben. Privateigentum an Wasser ist so unmöglich. Selbst wenn man es kaufte, hatte eigentlich niemand das Recht, es zu verkaufen. Das ist ähnlich wie die Grundstücke am Mond, die man bereits kaufen kann. Wer hat das Recht, Grundstücke am Mond zu verkaufen?! Man muss also bei der Wasserprivatisierung aufpassen: Das Wasser sollte im Prinzip allen gehören oder anders formuliert: Eigentlich niemandem. Man kann kein Eigentum daran besitzen, weil man keines daran erlangen kann. Was jedoch selbstverständlich privat geregelt werden kann - und das passiert heute schon - ist die Art, wie man zu Wasser kommt. Selbst die staatlichen Wasserversorger werden bei der Reparatur ihrer Leitungen auf private Anbieter zurückgreifen. Die Rohre und Einzelteile stammen sicherlich aus privaten Betrieben. Somit steht die Wasserversorgung sowieso teilweise auf privaten Füßen.
Die Fragen müssen schließlich lauten: Wie weit soll das Private gehen? Wo soll die Freiheit des Einzelnen enden? Totalität bringt uns hier weder auf der linken, noch auf der rechten Seite weiter.
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