Über den Systemwechsel

Wie ist ein Systemwechsel möglich?

Fast alle Vorschläge für einen Systemwechsel, sei es die Gemeinwohl-Ökonomie, der Kommunismus oder auch der generalisierte Tausch, wollen am Eigentum etwas ändern. Manche wollen am Geldsystem etwas ändern, aber man könnte sagen dass Geld auch nur hier ist, um Eigentum zu bekunden.

All diese Urkunden, das Geld und das beurkundete Eigentum, braucht man eigentlich nur, wenn die Menschen sich nicht gegenseitig vertrauen. In Zeiten des allgemeinen Wohlstandes können diese System ja gut funktionieren und tun das auch teilweise. Doch brenzlig wird es, wenn Knappheit herrscht. Sobald die Menschen das Gefühl haben, es wird etwas knapp, ist nicht mehr allgemein verfügbar, beginnen sie zu horten, vertrauen nicht mehr den anderen Menschen.
So gesehen ist das Gefühl der Knappheit ein Faktor, um Wirtschaftssysteme nicht mehr funktionieren zu lassen (übrigens auch im Kapitalismus, wenn die Banken auf einmal sich nicht mehr gegenseitig Geld borgen - "Kreditklemme" - ein vermuteter Faktor der letzten Krise).

Doch die Frage ist doch: Kann man nicht Knappheit heute als überwunden sehen? Man könnte sie auch anders stellen: Leben wir überhaupt in einer endlichen Welt?
Hier ein paar Beispiele, dass das Gefühl der Knappheit eigentlich heutzutage fehl am Platz ist:
  • Nahrung: Die Weltproduktion an Nahrung produziert Essen für 11 Milliarden Menschen. Nahrungsmittelknappheit existiert nicht mehr.
  • Energie: Die Technologie für nachhaltige, CO2-freie Energieversorgung liegt auf dem Tisch. Sonnen- und Windenergie könnte sämtliche Probleme lösen. Energieknappheit liegt nur vor, wenn wir weiterhin Öl verbrennen.
  • Platz: Es gibt genügend unbewohnte Plätze auf dieser Welt, mittels Klimaanlagen und Heizungen kann man auch sehr unbewohnbare Gegenden bewohnbar machen. Transportmittel sind heute schnell genug und können weite Distanzen zurücklegen.
Ein Gegenargument gegen einen Systemwechsel lautet, dass man immer versucht, den Menschen zu verändern. Der Kapitalismus sei das am besten den menschlichen Bedürfnissen angepasste Wirtschaftssystem.
Doch Menschen können sich verändern und mussten sich schon ändern. Bei jedem bisherigen Systemwechsel änderten sich die Menschen (Neolithische Revolution, industrielle Revolution,...).
Auch der heutige Kapitalismus entstand irgendwann und verlangte Änderungen der Menschen.
Menschen können sich verändern, indem sie ihre Gedanken, ihr Denken und ihr Verhalten ändern. Das bedeutet, ein Systemwechsel ist generell möglich. Dafür müssen aber Menschen ihre Gewohnheiten, ihre Handlungen, ihre Gesetze und ihre Sprache verändern.
Da wir das System sind, müssen wir uns verändern, wenn wir einen Systemwechsel wollen.

Bernard Lietaer spricht in seinem Buch Mysterium Geldvom "Schatten der Knappheit". Man muss sich jedoch bewusst sein, was dieses Gerede von der Knappheit sein soll. Es ist Kommunikation, die sagen will: "Hey, hört auf euch an der Knappheit zu orientieren!" Man kann sagen, dass jedes mitgeteilte Erkennen, jede Wissenschaft, einen Imperativ enthält: So sollt ihr die Welt sehen, so sollt ihr denken, handeln! Jedes Kommunizieren (auch das Schriftliche!) ist ein Imperativ: Lies, was ich schrieb! Denke, was ich dachte! Im Endeffekt: Denke wie ich! (Sonst müsste man das Erkannte ja nicht publizieren). Dies funktioniert auch performativ. Denn dadurch, dass man liest, denkt man auch den geschriebenen Inhalt zum ersten Mal (und vermutlich nicht zum letzten Mal).

Was bedeutet das für den Systemwechsel?
Erstens müssen wir aufhören, die Theorien der Knappheit zu wiederholen und in ihnen zu forschen. Die gesamte ökonomische Theorie seit Smith beschäftigt sich mit Knappheit. Werfen wir sie über Bord!
Zweitens müssen wir uns verändern, müssen über andere Systeme nachdenken, müssen unsere Handlungen verändern. Wir müssen anderen vertrauen und vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen.
Drittens können wir durch Kommunikation auch andere ändern. Und da wir alle zum System gehören und es durch unsere Handlungen und unser Denken stützen, können wir durch Kommunikation und Verändern der Wissenschaft den Systemwechsel herbeiführen.

Dies sind die ersten Schritte, um einen Systemwechsel zu ermöglichen.

Kommentare:

  1. hmm... nee Sie haben da was falsch verstanden... Geld im Kapitalismus ist nicht nur da um Eigentum zu bekunden, sondern auch und gerade um Eigentum zu vermehren. Sprich... ich pack es auf eine Bank und dann werden aus einem Schein einfach Zehn des gleichen Wertes verliehen und mit Zinsen wiederverlangt. Sprich es sammeln sich irgendwo im sysrem 9 neue Scheine die verliehen werden müssen und wieder Zinsen wollen. Also werden es immer mehr Scheine und immer mehr Menschenleistung wird dafür benötigt um dieses neue Geld auch wirklich zu erwirtschaften. Also werden auch immer mehr Kredite benötigt. Nur dass die Wirtschaft ab einem gewissen Punkt, einfach nicht mehr mithalten kann. Es sei denn Menschen arbeiten ab einem gewissen Punkt für immer weniger Geld. Der Mensch hat keine Wirtschaftskrise sondern eine Finanzkrise.
    Dazu kommt noch, dass einige Menschen einfach an einem Tag Handeln an der Börse, soviel Geld verdienen können wie manche Staaten. Geld macht Geld... und für dieses Geld muss jemand arbeiten. und wenn dann 8 Stunden am Tag nicht mehr reichen dann 11.

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  2. Ja, das ist eine Auswirkung unseres Geldsystems, die ich selber ja schon an anderer Stelle genug ausgeführt hatte. Dennoch hat eine Banknote auch die Funktion, dass ich damit das Eigentum an 10 Euro bekunde, also auch eine Urkundenfunktion.
    Was Sie beschreiben habe ich zb schon hier erwähnt: http://patrickseabird.blogspot.com/2010/05/die-wirkliche-ursache-der-krise.html

    "Also werden es immer mehr Scheine und immer mehr Menschenleistung wird dafür benötigt um dieses neue Geld auch wirklich zu erwirtschaften."

    Das stimmt jedoch auch nicht so ganz, denn Menschenleistung kann kein Geld produzieren. Es passiert vielmehr indirekt, dass das Geld zu denen fließt, die am billigsten sind. Deshalb müssen immer mehr Leute immer mehr arbeiten, weil alle den knappen Scheinen hinterher rennen und nicht bankrott gehen wollen.

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