Geld und Gier - Teil 5



Aber es gibt selbstredend auch Kritik. Sehen wir uns ein paar mögliche Kritikpunkte an: 

Mein Guthaben ist deine Schuld

Unendlich viel Geld verspricht jedem persönlich das Paradies auf Erden. Würde jedoch jeder so viel haben wie er möchte, so würde vermutlich Geld nicht mehr funktionieren. Geld funktioniert in unserer heutigen Welt nur, weil es für jeden Einzelnen knapp ist. Weil es eben nicht von jedem beliebig vermehrt werden kann. Im Gegensatz zur Natur ist Geld jedoch damit ein Nullsummenspiel. Meine Einnahme ist deine Ausgabe. Deine Schuld ist mein Guthaben. Und umgekehrt. Wenn man also gierig nach Geld ist, so muss man seine Einnahmen erhöhen. Damit muss man im Umkehrschluss die Ausgaben von anderen erhöhen. Wenn man Guthaben anhäufen möchte, so muss man Schulden der anderen Menschen erhöhen. Deshalb wächst in einem von Gier getriebenen System der Druck auf alle, die sich schwer wehren können: Auf die ärmsten der Armen, die von Loan-Sharks dazu überredet werden, Subprime-Kredite aufzunehmen. Oder der Druck auf staatliche Gemeinwesen, für die sich niemand richtig verantwortlich fühlt. Das kann einer der Gründe sein, weshalb sich Staaten immer mehr verschulden. Denn diese Schuld stellt auf der anderen Seite wieder ein Guthaben dar. Beim Monopolyspiel hat das der Profi schnell erkannt: Das Ziel des Spieles ist nicht, der Reichste zu werden, sondern alle anderen in die Armut zu drücken. Man muss alle anderen bankrott machen, damit man selber zum reichsten Spieler wird und gewinnt. Das funktioniert im Spiel am besten, indem man sich zuerst auf die unerfahrensten und altruistischsten Spieler stürzt, denn die können am leichtesten ausgenommen werden. Indem man also seine Gier nach Geld zu befriedigen versucht, muss man andere zum Ausgeben bewegen und in der Konsequenz eventuell in den Ruin treiben. Und das geht natürlich am besten mit denen, die das nicht wissen. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Staatsschuldenkrisen betrachten. Staatsschulden sind immer auch Guthaben auf der anderen Seite. Schulden zu kürzen würde bedeuten, Guthaben zu kürzen. In einem Nullsummenspiel kann man nur gewinnen, wenn jemand anderer verliert. Bin ich gierig nach etwas, das sich aus individueller Sicht nicht beliebig vermehren lassen kann, so muss ich dieses jemand anderem wegnehmen. Dies ist eine Konsequenz aus der Gier nach Geld. Um ihr zu folgen muss ich anderen schaden.

Die Gier und das Wachstum

Wie hängen die Gier nach Geld mit dem Wirtschaftswachstum zusammen? Der Wirtschaftsphilosoph Karl-Heinz Brodbeck beschreibt diesen Zusammenhang folgendermaßen. Das Streben nach Geld äußert sich, da es knapp ist, in der Konkurrenz. Um möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit zu erlangen, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
·         Erstens kann man die Ausgaben senken. Man verhandelt härter mit Zulieferern. Man kann auch Mitarbeiter entlassen, um so die Personalkosten zu senken. Steuervermeidung durch Verschiebung der Gewinne in Steueroasen ist eine weitere Möglichkeit.
·         Zweitens kann man die Einnahmen erhöhen. Höhere Einnahmen wirken durch entweder mehr verkaufte Stückzahlen oder teurere Preise.
Einnahmen erhöhen und Ausgaben senken führen zu maximierten Gewinnen und damit zu einer besseren Befriedigung der Geldgier. Nun locken natürlich die hohen Gewinne neue Wettbewerber an, welche ebenso ihrer Geldsucht frönen. Neue Unternehmen machen ihren Standort an bereits lukrativen anderen Standorten auf, Studenten wählen ihre Ausbildung oft nach der Höhe der möglichen  Einstiegsgehälter aus und bei steigenden Aktienkursen werden mehr Börsengänge durchgeführt und damit wieder mehr Aktien ausgegeben. Dort, wo hohe Gewinne möglich sind, steigt also die Konkurrenz. Durch die neue Konkurrenz beginnen jedoch die Preise wieder zu sinken, so lange, wie keine Gewinne mehr möglich sind – so die klassische Schulbuchbeschreibung des kapitalistischen Systems. Dennoch sind immer Gewinne möglich und zwar durch Innovationen: Neue Erfindungen werden kommerzialisiert, Produktionsprozesse vereinfacht, neue Werbestrategien ausgelotet usw. Durch Innovation kann man sich seiner Konkurrenz kurzzeitig entledigen und damit wieder Gewinne einfahren. Doch jede Neuerung hat nur kurz wirtschaftlichen Erfolg, da ja bald darauf die Konkurrenz startet. Dieser Prozess des ständigen Erneuerns und Überwindens alter Strukturen wurde vom österreichischen Ökonom Joseph A. Schumpeter „schöpferische Zerstörung“ genannt. Die ewige Zerstörung hat natürlich auch den Fortschritt ermöglicht. Aber sie führt eben auch zu Wachstum. Denn Unternehmen können entweder wachsen, indem sie Neues auf den Markt bringen, oder indem sie mehr vom Selben produzieren und damit der Preis pro Stück sinkt. Somit führt die Geldgier zu immer größerem Wachstum. Erstens durch den Wunsch, Gewinne zu machen. Zweitens durch den damit einhergehenden Konkurrenzdruck. Drittens durch die verbundenen Innovations- und damit  Wachstumsstrategien. Wenn die Geldgier auf Grenzen stößt, so wird versucht, diese umzustoßen. So breiten sich Wirtschaftsräume immer weiter aus - siehe zum Beispiel EU-Erweiterung oder das Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und USA. Oder die die Verwertungssucht eingrenzende Gesetze werden durch Lobbying versucht zu ändern. Oder aber man dringt in Bereiche wie Genmanipulation oder gar Mondgrundstücke vor und probiert, damit zu Geld zu kommen. Die globalen Auswirkungen dieses Wachstums werden wir bald zu spüren bekommen. Wenn durch den Klimawandel die Meeresspiegel steigen beispielsweise und damit immer mehr Menschen ihren Lebensraum verlieren und auswandern müssen. Oder wenn man die Luft in den Städten nicht mehr arbeiten kann. Spätestens wenn die letzten Eisbären nur noch im Zoo zu bewundern sind sollten wir merken, dass wir mit der Geldsucht zu weit gegangen sind.[1]
Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der vierte Teil ist hier zu finden! 


[1] Vgl. Liessmann, Konrad Paul [Hg.]: Philosophicum Lech. Geld. Was die Welt im Innersten zusammenhält?  Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2009, S.229 – 233.

Geld und Gier - Teil 4


Biologische Erklärungen

Liegt die Gier nach Geld eventuell in den Genen? Manche Hirnforscher würden genau das behaupten. So werden bei kurzfristigen Geldgewinnen Gehirnzentren aktiviert, welche auch beim Konsum von Drogen wie Kokain aktiv sind. Der Anblick von Geld kann tatsächlich ähnliche Auswirkungen auf das Belohnungssystem im Gehirn haben, wie zum Beispiel das Betrachten von erotischen Fotos![1] So kann ein höherer Kontostand zu Wohlbefinden führen, weil im Hirn der Botenstoff Dopamin ausgelöst wurde. Dies sei laut Neurobiologen eine angeborene Verfasstheit. Das Problem an dieser Belohnung ist wie bei der Sucht, dass man auch hier immer größere Summen braucht, um das gleiche Ausmaß an Wohlbefinden auszulösen. Dieser Mechanismus scheint jedoch auf unterschiedliche Menschen verschieden stark wirken. Forscher wollen sogar an Hand von Gentests herausfinden können, wie sehr man gefährdet ist, der Geldgier zu verfallen.[2] Gerade auf Finanzmärkten können oft ähnliche Verhaltensmuster beobachtet werden wie beim Pokern oder Wetten. Dies könnte auch daran liegen, dass Spielsucht und Risikoverhalten eng mit dem Hormonhaushalt im Hirn zusammenhängen und hier ähnliche Glückszentren bei Gewinnen aktiviert werden.[3] Glaubt man also der modernen Hirnforschung, so ist die Gier nach Geld tatsächlich angeboren und biologisch erklärbar.

 

Problemfelder der Gier nach Geld

Das Verlangen, welches die Gier nach Geld repräsentiert, äußert sich in Handlungen. Handlungen betreffen immer auch andere Menschen. Somit kann die Gier nach Geld einerseits Handlungen bezüglich der Natur haben, andererseits natürlich auch unmittelbar auf andere Menschen einwirken. Wie wir gesehen haben ist das Streben nach Geld auch das Streben nach Macht. Geld ist Macht. Denn mit Geld kann ich Dinge verändern in der Welt. Das Problem am Streben nach Geld ist natürlich, dass es Auswirkungen in der Welt haben kann. Doch müssen diese Auswirkungen unbedingt schlecht sein?

 

Kann Gier etwas Gutes sein?

Ein Versprechen des Kapitalismus lautet, dass die Gier nach Geld nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil soll die ausschließliche Fokussierung des Einzelnen auf seinen Eigennutzen und damit auch gieriges Verhalten nützlich für alle sein. Schon der Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft, Adam Smith, schaffte durch die zweimalige Erwähnung der „unsichtbaren Hand des Marktes“ eine wegweisende Metapher für die Selbstregulierung der Märkte, in welchen man die Menschen nur gewähren lassen müsse. Bis heute urgieren Vertreter der Wirtschaftswissenschaften darauf, dass Gier nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, sondern gerade die Triebfeder des Fortschrittes sein kann. „The business of business is business“, so wird diese Idee dem Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman in den Mund gelegt. Als Geschäftsmann muss man sich also nur darum kümmern, sein Geschäft zu vergrößern und mehr Geld einzunehmen. Sonst nichts. Wenn jeder auf sich schaut, so ist für alle gesorgt. Das heißt, der Blick auf die Gier ist nicht nur negativ konnotiert. „Die Bedürfnisse des Menschen sind nicht begrenzt“ – so würde ein Wirtschaftswissenschaftler vermutlich die Gier euphemistisch umschreiben. So gesehen gibt es mit der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft einige Vertreter der positiven Auswirkungen von Gier. „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ – so hat der Ökonom Kenneth Ewart Boulding die positive Konnotation der Gier in der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft kritisiert.

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der dritte Teil ist hier zu finden!

Geld und Gier - Teil 3



Massenpsychologische Erklärungen

Eine Erklärung für die Gier nach Geld finden wir in massenpsychologischen Theorien. Der belgische Ex-Zentralbanker Bernard Lietaer schaffte es, eine Verbindung zwischen der Archetypentheorie von C.G. Jung und modernen Geldtheorien herzustellen.[1] Er bemerkte, dass es spezielle Typen gab, die im kollektiven Unterbewusstsein der Menschen schlummern. So ist ein Archetyp „der Krieger“ beispielsweise. Ein anderer Archetyp ist „die Große Mutter“. Wenn ein Archetyp unterdrückt wird, so äußert sich das im Hervorkommen seiner Schatten, so Lietaer. Gier und Knappheit wiederum seien die Schatten des Archetypen „Große Mutter“, welcher für die Ernährung steht.  Lietaer meint, dass in unserer westlichen Gesellschaft der Archetyp der „Großen Mutter“ unterdrückt wird. Durch das Unterdrücken des Weiblichen in unseren patriarchalen Gesellschaften leiden wir einerseits an der Gier und andererseits an der Knappheit. Insbesondere in unserem Geldsystem kommt dieser Gedanke zum Vorschein, so Lietaer. Es sei demnach kein Zufall, dass unser Geldsystem die Knappheit und die Gier unterstütze und wiederspiegle. Die Archetypen sind somit eine Erklärungsform des kollektiven Unterbewusstseins. Die Lösungen, welche Lietaer vorschlägt, beruhen einerseits darin, mehr Weiblichkeit in unsere Gesellschaft zu zu lassen, andererseits unser Geldsystem umzustellen auf eines, welches nicht die Gier zusätzlich fördert.

Streben nach Macht?

Warum ist Superman so stark? Erstens, weil er schneller ist als alle anderen Menschen. Zweitens weil er stärker ist als alle. Und drittens weil er Dinge kann, die normale Menschen nicht können, wie zum Beispiel fliegen. Viel Geld zu besitzen verspricht uns auch diese Superkräfte. Wenn ich viel Geld habe, so kann ich mir teurere, schnellere Fortbewegungsmittel leisten. Ich kann mit viel Geld  viele Dinge bewegen. Ich kann Leute bezahlen, die die Welt in eine andere Richtung bewegen, sowohl im physischen, als auch im psycho-sozialen Sinn. Und ich kann generell Dinge tun, die ärmere Menschen nicht können. Mit Geld kann ich mir beispielsweise ein Flugticket kaufen und um die Welt fliegen, schneller, als je ein Mensch ohne Geld das tun könnte. Geld macht uns schneller, stärker und mächtiger. Geld macht uns zu Superhelden. In einigen Filmen mit Superhelden wird demnach auch das Verhältnis von Verantwortung und Macht thematisiert. Mit großer Macht kommt schließlich auch große Verantwortung.
So ist die Gier nach Geld eben auch ein Streben nach Macht. Wir wollen schneller, stärker und einflussreicher werden, wenn wir nach Geld streben. Jedes Mal, wenn ich Geld verwende, so verändere ich etwas in der Welt. Und das macht Geld so anziehend. Mittels Geld kann ich die Welt gestalten. Ich kann andere Menschen dazu bringen, mir Gutes zu tun.  Dabei kann sich diese Macht einerseits über die Natur, andererseits über andere Menschen erstrecken. Mit viel Geld kann man die Natur bezwingen. Man kann sich einen Hubschrauberflug auf die höchsten Berge kaufen, nur um nachher mit Skien wieder herunter zu fahren. Man kann sich Macht über andere Menschen kaufen, indem man Menschen für Lobbying bei politischen Entscheidungsträgern bezahlt. Es gibt Studien, die besagen, dass die Chance, eine politische Maßnahme durchzuführen steigt, je mehr Menschen der oberen Einkommensschichten dafür sind.[2] Somit äußert sich mehr Geld auch in mehr politischer Macht. Somit wäre ein Erklärungsmuster für die Sucht nach Geld, dass man damit seine Macht sowohl über die Natur, als auch über andere Menschen vergrößern kann.

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der zweite Teil ist hier zu finden!


[1] Lietaer, Bernard: Mysterium Geld. Emotionale Wirkungsweise eines Tabus. 2.Auflage. München:
Riemann, 2000.
[2] http://poq.oxfordjournals.org/content/69/5/778.full aufgerufen am 29.06.2015 um 14:43 Uhr.

Geld und Gier - Teil 2



Keynes

Eine Ursache für die Gier nach Geld könnte auch in der allgemeinen Verwendungsmöglichkeit des Geldes liegen. Der Ökonom John Maynard Keynes baute diesen Gedanken sogar in seine Allgemeine Theorie ein, welche uns bis heute über den Keynesianismus in wirtschaftspolitischen Empfehlungen begleitet. Keynes fragte sich, weshalb Menschen überhaupt Geld nachfragen. Seine Antwort war, dass Geld einmal primär liquide sei. Liquidität bedeutet hier grob gesagt nichts Anderes, als dass Geld allgemein anerkannt ist und man es daher sehr leicht gegen andere Dinge tauschen kann. Ich kann Geld gegen Arbeit tauschen oder gegen Güter und es wird gerne angenommen werden. Keynes kam daraufhin zu drei Motiven für die Geldhortung: Erstens aufgrund von Transaktionsmöglichkeiten. Da Einkommen schwanken können, muss man sich einen gewissen Geldstock bewahren, um seine Ausgaben decken zu können. Zweitens das Vorsichtsmotiv: Für den Fall eines unerwarteten Events braucht man einen Geldpolster. Drittens das spekulative Motiv: Man muss liquide sein, um mögliche finanzielle Chancen ausnützen zu können.
Geld kann diese drei Motive eben sehr gut erfüllen, da es das allgemeine Tauschmittel darstellt. Somit wäre auch ein Erklärungsversuch für die Gier nach Geld in der übermäßigen Ausprägung obiger drei Motive zu suchen. Auch wenn Keynes nicht explizit die Gier ansprach, könnte seine Unterscheidung auch als Erklärungsmuster der Gier nach Geld dienen.

Substanzlosigkeit des Geldes selber

Eine weitere Erklärung könnte in der Beschaffenheit des Geldes liegen. Die Gier nach immer mehr Geld ist substanzlos, genauso, wie das Geld selber substanzlos geworden ist. Es ist nur noch bedrucktes Papier oder überhaupt nur noch Bytes im Computer. Das könnte es anfällig für Gier machen. Denn an Zahlen kann man nicht genug haben. Es gibt (fast) keine Grenze dafür, wie viele Nullen man im Computer noch einem Konto hinzufügen kann.
Gier selber ist sinnlos. Sie ist ein Verlangen nach Mehr, das zu einem Selbstzweck geworden ist. Denn wann ist man nicht gierig? Wenn man etwas anhäuft, um ein Ziel zu erreichen, so endet das Anhäufen mit dem Erreichen des Zieles. Die Gier jedoch kennt keine Grenzen und kennt kein Ende, egal wie viel man erreicht. Wie ein Süchtiger versucht man nur, mehr des Suchtmittels zu bekommen. Da die Gier sich nicht mehr auf die Substanz selber bezieht, kann sie sich auch auf substanzlose Dinge beziehen. Wenn das Geld selber immer digitaler wird, dann erwacht potenziell die Gier danach. Gier und Geld werden eben zum Zweck an sich. Wenn ich gierig nach Geld bin, so versuche ich gerade nicht, Geld zu bekommen, um anschließend etwas mit diesem Geld zu tun. Sondern ich versuche Geld zu bekommen, um Geld zu bekommen. Das Geld wird damit zum Gott, zum Unbegründbaren. Ich muss nicht mehr rechtfertigen, wozu ich mehr Geld haben möchte. Ich muss auch nicht erklären, wieso ich das mache. Wie beim Süchtigen wird bei jedem zusätzlichen Euro meine Sucht nur noch größer. Genau so, wie ich die Sucht nach Nikotin nicht mit einer zusätzlich angezündeten Zigarette bekämpfen kann. Geld eignet sich aufgrund seiner relativen Substanzlosigkeit sehr gut für dieses Suchtverhalten. Wäre ich beispielsweise gierig nach Milch, so hätte ich mehrere Probleme: Erstens wird meine Milch mit der Zeit schlecht. Sie wäre also nicht lagerbar, was dem Streben nach immer Mehr zuwiderliefe. Zweitens wird mir schlecht, wenn ich zu viel Milch trinke. Durch die spezielle Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel kann es nicht schlecht werden. Außerdem kann ich dadurch Geld ansparen. Egal wie viel ich davon habe, körperlich schlecht wird mir nicht unmittelbar davon werden. Geld kennt eben keinen fallenden Grenznutzen, würden die Ökonomen sagen. Wenn das Geld also weg von Gold, hin zu Papier und schließlich nur mehr zu Zahlen im Computer geht, so verliert es immer mehr an Substanziellem und kann damit immer mehr potenzielles Ziel der Gier werden.

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der dritte Teil ist hier zu finden!

Geld und Gier - Teil 1

Einleitung

Ein modernes Sinnbild für die Gier nach Geld ist Disneys Figur Dagobert Duck. Er häuft sein Geld in Form von Münzen in einem riesen Geldspeicher an, dessen einziger Sinn darin zu bestehen scheint, dass Dagobert darin baden kann. Seinen Neffen Donald, der für ihn arbeitet, bezahlt er mit einem Hungerlohn. Ständig ist Dagobert auf der Suche nach neuen Geschäftsideen, um sein Vermögen zu vergrößern. Die ganze Welt ist das Reich, wo er versucht, seinen Reichtum anzureichern. Und obwohl er schon die vermögendste Ente der Welt ist, möchte er immer mehr haben. Eine unstillbare Gier nach mehr Geld scheint dieser Erpel zu erleiden. Doch warum möchte Dagobert immer mehr haben? Diese Frage bleibt in den Comics unbeantwortet. Und das ist auch vielleicht ein erster Hinweis auf den tieferen Sinn der Gier nach Geld. Sie ist Selbstzweck. Man möchte Geld um des Geldes wegen haben und nicht, weil man etwas erreichen möchte. Gier ist das Verlangen nach Mehr, ohne genauem Ziel. Aber versuchen wir einmal, mögliche Ursachen nach der Gier des Geldes zu finden.

Ursachen der Gier nach Geld

Ich habe einen Freund, der vom Vermögen her zu den fünf Prozent der reichsten Österreicher und Österreicherinnen gehört. Einmal habe ich mich mit ihm über Geld unterhalten. Wir stellten uns zunächst folgende Frage: Wie lange würden wir mit unserem Geld auskommen, wenn unsere derzeitige Einkommensquelle plötzlich versiegen würde und wir gleichzeitig unseren derzeitigen Lebensstandard halten möchten? Bei mir war das Ergebnis ungefähr sechs Monate. Das Ergebnis meines Freundes waren 45 Jahre!
Überrascht fragte ich ihn, wieso er immer so hart verhandelte, wenn es um Preisverhandlungen am Markt ging, schließlich mangelte es ihm nicht an Geld.
Seine Antwort war, dass es ihm „um’s Prinzip“ ging.
Kann Gier ein Prinzip sein? Kann man prinzipiell gierig sein? Wenn ja, woher kommen diese Prinzipien und was sind damit eventuelle Ursachen dieser Gier nach Geld?


Aristoteles

Normalerweise ist Geld für uns nicht Selbstzweck. Wir wollen es verdienen, um uns die Miete zu leisten und Essen kaufen zu können. Geld ist also erst Mal ein Mittel, um gewisse Ziele erreichen zu können. Doch irgendwann einmal scheint es einen Punkt zu geben, wo aus dem Mittel ein Selbstzweck werden kann. Ab diesem Punkt versucht man nur noch, Geld selber zu lukrieren. Die speziellen Ziele verschwinden und das Mittel wird zum Zweck. Schon Aristoteles beschrieb dies in der Unterscheidung zwischen Ökonomik und Chrematistik. Während man bei der Ökonomik noch versucht, seinen Bedarf zu decken und seine Bedürfnisse zu befriedigen, geht es bei der Chrematistik nur darum, Geld anzuhäufen. Schon damals sah Aristoteles die Ökonomik als etwas Natürliches und Gutes an und kritisierte die widernatürliche Erwerbskunst der Chrematistik. Aristoteles lieferte damit schon eine erste Beschreibung der Gier nach Geld und ordnete sie in ein philosophisches System ein.
 


Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der zweite Teil ist hier zu finden!

Das philosophische Surfcamp startet!

Sei dabei bei den Pionieren!

Beim philosophischen Surfcamp geht es einerseits natürlich darum, Surfen zu lernen und seine Surfskills zu verbessern. Andererseits werden wir jeden Tag genug Zeit haben, um über die wirklich existenziellen Fragen zu philosophieren: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was ist der Sinn hinter all dem?

Bring deine Fragen und Erkenntnisse mit!

Wann? In der Kalenderwoche 51 (ca. 12.12. - 19.12.15)

Wo? Auf Lanzarote!

Kosten? Da wir das philosophische Surfcamp erst aufbauen, fallen nur die Selbstkosten für
- Flug (ca.350- 400 Euro)
- Unterkunft (sehr günstig auf Lanzarote)
- Mietauto (günstigsten Mietautos Europas)
- Boardleihe oder eigenes Board mitnehmen!
- Verpflegung
an.
- Den Surfkurs gibt Patrick Seabird kostenlos.

Was? Eine Visionsvorstellung des philosophischen Surfcamps gibt es hier: http://patrickseabird.blogspot.co.at/2015/04/das-philosophische-surfcamp.html

Den Flug buchen wir am 26.09.2015 - wenn du dabei sein willst, melde dich!

Bei Fragen bitte Patrick kontaktieren oder hier die Frage stellen!

In den Weihnachtsferien kann man auch noch nachkommen!

Geldsystemkritik-Kritik

Prolog

In einer Folge der zweiten Staffel der TV-Serie Dexter verwirrt der Serienkiller die Polizei, indem er ihnen ein Manifest schickt. Das Schreiben ist kompliziert und voll von literarischen Anspielungen. Die Polizeit grübelt und streitet über das Schriftstück daraufhin lange und verliert viel Zeit, um den Mörder zu schnappen. Sie streiten so lange, bis ein FBI-Agent aufsteht und sagt: "Genau das will er. Er will, dass wir streiten!"

Ähnlich kommt es mir manchmal in der Geldsystem-Diskussion vor.

Die Geldsystemkritik

Wie meine treuen Leser wissen, war ich sehr lange Geldsystemkritiker. Meine beiden Diplomarbeiten ließen meine damaligen Erkenntnisse über das Geld in den volkswirtschaftlichen Diskurs einfließen.
Damals dachte ich, ich hätte alles verstanden. Doch kaum glaubt man, alles zu wissen, kommt in komplizierten Worten eine neue Theorie daher, die alles wieder über den Haufen wirft.

Von der Verschwörungstheorie zum Allgemeingut

Als ich meinen Blog im Jahr 2008 startete, war die Geldschöpfungstheorie der Banken noch Verschwörungstheorie. Erst als der Universitätsprofessor Franz Hörmann in einem Interview im Standard 2010 öffentlich darüber sprach, wurde es langsam akzeptiert. Auch ich habe damals einen Blogpost über ihn verfasst. (Mittlerweile ist Hörmann ein wenig abgedriftet, indem er zum Beispiel Betrugsmodelle wie das Auftriebskraftwerk bewirbt).

Seit damals ist es zum Allgemeingut geworden, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können. Dies schien eine der Hauptursachen für Krisen zu sein. Insbesondere die Geldschöpfung mit den damit verbundenen Zinsversprechungen schien ein Problem zu sein.

So weit, so gut.
Doch dann wurden andere Stimmen laut...

Der fehlende Zins ist doch kein Problem

Im Jahr 2012 schrieben einige, dass der fehlende Zins nicht die Ursache für die Probleme ausgehend vom Geldsystem sein könnte. Ich berichtete.

Geld sollte Gold sein

Auf einmal traten neue Vertreter der Österreichischen Schule auf den Plan. Sie bezeichnen sich entweder als Libertäre, Kapitalisten oder auch Voluntaristen.
Sie nutzten die Gunst der Stunde und die moderene Kritik am Giralgeldsystem, um ihre Ideen zu verbreiten.
Im schlechtesten Fall vertreten sie die Meinung, dass nur Gold echtes Geld ist (sehr praktisch, Goldbarren um die Welt zu karren...). Im besseren Fall vertreten sie die Meinung von Hayek, dass es einfach kein Geldmonopol geben sollte und der Markt die beste Geldform findet.

Ein spannender Vertreter ist hier zum Beispiel der Journalist Nikolaus Jilch, der sehr viele Wirtschaftsartikel für die Tageszeitung "Die Presse" schreibt. 
Auch Oliver Janich tat sich hier in einigen Diskussionen hervor. Seine Thesen habe ich alle bereits innerhalb des Systems der Österreichischen Schule widerlegt (Siehe bspw. hier), auch wenn er das nicht wahrhaben will.

Die Österreicher brachten zwar nicht Verwirrung bezüglich der Geldschöpfung, aber sie nutzten den Zeitgeist, um ihre teils sehr extremen Meinungen zum Thema Wirtschaft zu verbreiten.

Die Innes-Fraktion

Und dann kam auf einmal die, wie ich sie nennen möchte, Innes-Fraktion.
Die Innes-Fraktion stimmt prinzipiell dem zu, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen. Dies sei jedoch nicht schlecht oder unfair. Die Aufregung darüber schreiben sie einem falschen Geldverständnis zu. Für sie ist die Geldsystemkritik meist basierend auf der Idee, Geld wäre etwas wie ein Ding. Die Innes-Fraktion geht jedoch davon aus, dass Geld immer auf Schuld-Guthaben-Beziehungen basiert.

In a nutshell: Schulden entstehen durch Kaufen und Verkaufen. Produktion braucht Zeit. Diese beiden Aspekte bedeuten, dass man Geld braucht, welches immer Schulden auf der einen und Guthaben auf der anderen Seite darstellt. Banken sind die Institutionen, die dies unterstützen. Wenn Geld nicht auf Schulden und Guthaben aufbaut, so sind das sinnlose Zettel, die nicht funktionieren.

Ich nenne sie die Innes-Fraktion, weil diese Theorie sehr früh von Alfred Mitchell Innes vertreten wurde.
Andere Vertreter wäre hier zum Beispiel der Autor Felix Martin in seinem Buch "Geld, die wahre Geschichte" (Siehe auch Wikipedia!). Auf Facebook tut sich hier Joachim Weiß (dürfte ein Pseudonym sein, ist unter mehreren Namen unterwegs) hervor, der sich leider durch seine polemischen Äußerungen in seriösen Diskussionen schnell selbst diskreditiert und zu lange Texte schreibt. Einen Text von ihm findet man z.B. hier.
Weiters zu erwähnen wäre Jörg Buschbeck, der unter http://guthabenbremse.de/ seine an Innes und Stützel angelehnten Theorien verbreitet. Und natürlich Paul C. Martin mit seinem Debitismus.

Die große Verwirrung 

Diese und andere Theorien haben die letzten Jahre wieder spannend gemacht. In den Foren und auf Facebook treffen die modernen Vertreter hitzig diskutierend gegeneinander auf. Es gibt wenige, die auch methodisch etwas beizutragen haben. Auch die Kommunisten (pdf) bringen ihre Theorien auf neue und spannende Weise ein. Fundementalisten trifft man überall.

Zur allgemeinen Erkenntnis hat das alles wenig beigetragen. Manche Dinge wurden aus meiner Sicht gelöst, andere verkompliziert. Die Rätsel des Geldes sind offenbar noch lange nicht gelöst.

Ich für meinen Teil bin mit meiner Kritik sehr vorsichtig geworden. Allzu oft hängt man an Theorien, die sich dann als doch nicht so stichhaltig erweisen. Manchmal macht man gefährliche Vorschläge.

Epilog

Aber um zur Einleitung zurück zu kommen:
Vielleicht will er genau das. Vielleicht will er, dass wir streiten! 

Dann stellt sich jedoch die Frage: Wer ist er?!

A reply to Richard A. Werner

A reply to Richard A. Werner's "Can banks individually create money out of nothing? - The theories and the empirical evidence"

 

In this blogpost I want to reply to Richard A. Werner's excellent paper on money creation. Werner takes great effort to give empirical evidence on money creation by individual banks.

He recognizes a big muddlement in the different theories of money creation.
"How can the issue be settled and the ‘muddlement’ cleared up? One reason for this “state of muddlement” is likely to be the methodology dominant in 20th century economics, namely the hypothetico-deductive method. Unproven ‘axioms’ are ‘posed’ and unrealistic assumptions added, to build a theoretical model."
I would fully support his view. We need different approaches! He provides an interesting approach of finding the truth by testing the outcomes of a bank lending process empirically. In his paper, he describes how he lent out € 200,000.- and carefully watched and analysed the bank's accounts.
I really must thank Werner for this unique approach.

But, from my point of view, there are a few flaws in his interpretation or at least points, which I'm not very sure about:


Two little flaws


  • One point, which struck me immediately, was the change of cash reserves by € 158,329.86, the cash growing from about € 182,000 to € 340,000 in one day. Why did this happen? Did the cash-transport arrive? Is it normal for a small bank to increase its cash that much in one day?
  • The claims on financial institutions dropped significantly by € 219.000, which interestingly corresponds somehow to the sum lent out. This could be a sign for the bank refinancing itself!
Werner discusses these points. He simply puts them together:
"What may have happened is that the bank withdrew legal tender from its account with the cooperative central bank, explaining both the rise in cash and decline in balances with other financial institutions."
This is one possibility. The other would be, that the bank significantly raised its cash holdings for some reason and refinanced the loan with the other banks. It is a totally different picture if you don't take the two interpretations together. Because it would also support the fractional reserve theory.
Werner himself states: "The evidence is not as easily interpreted as may have been desired [...]". That is true.

Another bigger flaw

Another flaw comes from the distinction between money on a bank account (which is basically a claim by the customer) and cash.
In my opinion it is clear that a bank can create deposits for clients "out of nothing". Because everyone can do. I could also write on a piece of paper the name Werner and a credit of 200,000.-. It is possible for everyone to just create credit that way (see also Alfred Mitchell Innes' text about money from 1913!).

The important question is: what happans to the bank, if you want to use your deposit to actually pay? What happens, if you want to transfer your credit to someone else's bank account? What happens in the balance-sheet of the bank? Does the bank have to refinance itself? Does it have to use centralbank money for this?

Werner states that it was possible to use the money credited:

"An extension of the experiment, to be reported on separately, used the balance the following day for a particular transaction outside the banking institution, transferring the funds to another account of the researcher, held with another bank; this transfer was duly completed, demonstrating that the funds could be used for actual transactions"

But what happened to the banks balance sheet? If the bank had to refinance itself with centralbank money, the bank actually did not create money out of nothing. If the banks always need money they can not create themselfs as soon someone wants to transfer money from account to account, you can not say that the credit creation theory is right.

In my opinion this experiment would have been even more important: To see what happens if you want to transfer the amount credited by the bank. This experiment would rather give an answer to the question, which theory is right!


I hope that my points were clear and appropriate. However I still think that Richard A. Werners work is important and interesting and worth doing!

It is funny that we live in a world, where you have to make empirical tests to find out how banks work. Why is it not just possible to ask them?!
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